Nachhaltige Werbeartikel statt Müll

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Ruggell 31.05.11
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Auf Messen und Kongressen füllen sich stetig die Taschen: Ein Dankeschön-Kugelschreiber hier, ein USB-Stick für die gute Zusammenarbeit dort. Das meiste davon landet im Müll. Doch immer mehr Unternehmen setzen auch hier Nachhaltigkeitsstandards durch: Bio-Plastik und innovativen Ideen von findigen Anbietern sei Dank.

Kaum jemand weiss, dass mit 90 Prozent fast alle Werbeartikel wie mit Logos versehene USB-Sticks, Kugelschreiber und Taschen heutzutage aus chinesischer Produktion stammen. Viele hiervon besitzen unklare Quellenangaben, wurden zu unrealistisch niedrigen Produktionskosten aus Materialien hergestellt, deren Giftstoffe längst bekannt sind. Doch es gibt Alternativen. Der Werbemittelanbieter KW open in Ruggell beispielsweise sucht danach. Geschäftsführer von KW open Ruggell Manfred Janek sagt: „Wir vermeiden konsequent schmutzige Sachen. Wir verkaufen nichts, was aus unklaren Quellen kommt und können mit Fug und Recht behaupten, wir hätten durch unsere Arbeit dazu beigetragen, die grössten Umweltsünden vermeiden zu helfen.“ Und das ist keine Einbahnstrasse, denn jedes Unternehmen, das Merchandisingprodukte mit nachhaltigem Stempel an die Öffentlichkeit gibt, verbessert dadurch das eigene Image.

Aha-Effekt in Asien

In der stark wettbewerbsorientierten Werbemittelbranche kein einfaches Vorhaben, das sich Janek und seine im Vorarlberger Götzis handelnde Partnerin Karin Weinhandl sowie 17 weitere Mitarbeiter zum Unternehmensziel gesetzt haben. Seit zwei Jahren, und damals begann die Krise erst so richtig zu toben, haben sie Nachhaltigkeit auf ihre Flaggen geschrieben und sind damit ein unternehmerisches Risiko eingegangen. Der Auslöser ist so simpel wie einleuchtend: Seitdem Janek im Geschäft ist, seit zehn Jahren also, ist er ein bis zweimal pro Jahr in Asien unterwegs, um Geschäftspartner zu treffen: „Und mit jeder Reise insbesondere nach China ist mir stärker aufgefallen, was mit der Umwelt passiert.“ Für ihn und seine Partnerin Weinhandl sei das Umdenken schliesslich unausweichlich gewesen. Denn wo sonst als in der Werbemittelbranche hat man es mit Wegwerfprodukten im wahrsten Sinne des Wortes zu tun? Plüschtiere, Kugelschreiber und Co., die an Weltspartagen und Messen eingesackt werden, überleben häufig nicht den ersten Mülleimer. Den Aspekt der Wertigkeit und Umweltverträglichkeit hier voranzutreiben, ist sicher notwendig, doch vor allem eine Preisfrage.

Zwei-Franken-Shirts können nicht fair sein

Die Hebel, die in der Werbemittelbranche zu mehr Nachhaltigkeit führen, sind in Branchen, deren Güter geringerem Preisdruck ausgesetzt sind, bereits erprobt. Es geht um eine sozialverträgliche Produktion, bei der Mitarbeiter geregelte Arbeitszeiten und klare Schutzbestimmungen geniessen. Deshalb ist eine Produktionsstätte im entwickelteren Süden Chinas als Herkunft sicherer als eine in Zentralchina und Bangladesch, wo Sozialstandards noch kaum ein Thema sind und Zwei-Franken-Shirts am laufenden Band produziert werden. Janek weiss, dass mit sieben Franken bereits ein Shirt erhältlich ist, das in der Wertschöpfungskette weniger Verlierer hinterlässt.

Ausserdem sind Materialien zu bevorzugen, die möglichst erneuerbar, rezyklierbar sind und wenig Schadstoffe beinhalten – bei gängigem Plastik ist das nur selten der Fall. Janek sagt deutlich: „Wenn einer unserer Kunde einen Wasserball will, dann wird er sich bei uns schwer tun. Da ist immer PVC im Spiel und da sind immer Weichmacher dabei. Und wir werden den Kunden bis zum Abwinken darauf aufmerksam machen, dass das bedenklich ist.“ Bioplastik auf der Basis von Maisstärke, Textilien, in die rezyklierte PET-Flaschen oder Tetra-Packungen eingearbeitet wurden, sind inzwischen gängig. Öko-Baumwolle ist leichter erhältlich als noch vor wenigen Jahren.

Transportwege verkürzen

Ein wichtiger Aspekt ist zudem der Energieaufwand bei der Produktion. „Eine Batterie benötigt in der Produktion das 500fache der Energie, die sie später abgeben kann. Jede Batterie, die wir verhindern können, ist ein Erfolg“, sagt Janek. Eine kleine Lampe mit Handkurbel ist hier die sinnvollere Alternative. Und zu guter Letzt ist wenig nachhaltig, wenn Produkte von China zum niederländischen Grosshändler kommen, dann zur Veredelung – sprich zum Aufdruck von Logo und für andere personalisierende Massnahmen – nach Polen transportiert werden und dann erst zu KW open gelangen. Das Unternehmen hat in Vorarlberg eine Veredelung samt Stickmaschinen und Plotter aufgebaut, die eine Stufe der Bearbeitung näher zum Kunden bringt. Und örtliche Arbeitsplätze schafft.

Preispolitik versus Nachhaltigkeit

Logisch erscheint das alles denjenigen, denen das Thema am Herzen liegt. Doch für knallharte Einkäufer entspricht das nicht der üblichen Logik. Denn mit nachhaltiger Produktion geht ein höherer Preis einher: Je nach Produkt kann es entweder 30 Prozent mehr oder auch das Fünffache des regulären Preises kosten. Manfred Janek hat zwar den Bedarf schon vor einiger Zeit erkannt, doch: „Vor sechs, sieben Jahren haben wir im Textilbereich bereits auf ökologische Produktion gesetzt. Das hat den Kunden auch gefallen. Beim Preisthema sind aber viele Projekte dramatisch gescheitert. Die Bereitschaft, mehr für Ökologie zu bezahlen, war damals praktisch nicht vorhanden“, so Janek.

Wind dreht sich

Natürlich wollten Einkäufer auch heute immer noch möglichst viele Produkte zu einem möglichst günstigen Preis. Und manche Unternehmer seien im Zuge der Krise gar noch stärker auf den Preis konzentriert, bestätigen Janek und Weinhandl. Doch der Wind habe sich leicht gedreht: zum einen seien die Kosten nachhaltiger Produktion gesunken und zum anderen habe ein Umdenken eingesetzt. Weinhandl sagt, die Krise habe für lokale Produktion sensibilisiert. Skandale bezüglich Schadstoffen beispielsweise in Spielzeug habe die Frage aufkommen lassen: „Warum macht man das nicht in Europa unter härteren Auflagen?“ Und Unternehmen ziehen die Konsequenzen: „Sprechen wir heute bei Kunden mit unserem Konzept vor, dann merken wir oft, dass Nachhaltigkeit bereits auf dem Unternehmensplan steht und wir genau richtig kommen.“

Pragmatismus zahlt sich aus

Wichtig hierbei: Grundlegenden Prinzipien müssen inzwischen alle Produkte von KW open entsprechen. So ist in allen Fällen die Quelle bekannt, gewisse Arbeitsstandards werden eingehalten und möglichst wenige Giftstoffe sind enthalten. Gänzlich ökologisch und sozial unbedenkliche Produkte, rezykliert und rezyklierbar sowie schadstofftechnisch im grünen Bereich, machen inzwischen 25 Prozent ihres Geschäfts aus. Ein Erfolg, denn man startete bei praktisch Null. Und hierbei gilt immer, die treuen, vielleicht weniger stark auf Nachhaltigkeit setzenden Unternehmen nicht zu verprellen. Janek und Weinhandl legen hier Pragmatismus an den Tag: „Wenn wir erreichen, dass jeder Kunde ein Produkt durch ein ökologisch korrektes ersetzt, dann haben wir schon einen kleinen Schritt in die richtige Richtung geschafft.“ Gleichzeitig bilde sich ein Netzwerk von vermehrt nachhaltig denkender Unternehmen heraus. Janek sagt: „Man findet sich fast automatisch. Auf der diesjährigen grössten Branchenmesse suisse-emex in Zürich waren wir die einzigen, die diesen Aspekt konsequent durchgezogen haben und das hat ähnlich denkende Firmen sofort angezogen.“

Banknote wird Bleistift

Den Erfolg ermöglicht haben das zu Beginn zum Grossteil Produkte, die einfach durch Idee und Preis überzeugten. „Stifte aus Zeitungspapier, deren Papier geschreddert, gepresst und dann zum Bleistift wurde, nehmen Kunden gern. Denn hier ist die Preisdifferenz nicht so eklatant und dahinter steht eine interessante Geschichte. So sind auch Bleistifte aus alten Geldnoten aus den USA in unserem Sortiment. Das erregt Aufmerksamkeit und ist ein perfektes Geschenk für einen Finanzdienstleister“, sagt Janek. Der Kunde trägt etwas zum Umweltschutz und kann das auch erzählen. Denn ersichtlich muss natürlich sein, dass dieses Streuprodukt nachhaltig hergestellt wurde. Nur so gewinnt das schenkende Unternehmen hierdurch auch eine höhere Wertigkeit. Die Bank Julius Bär hat in diesem Jahr mit einem Stift aus komplett unbehandeltem Holz beispielsweise begonnen, mit KW open auf dieser Flöte zu spielen. Und hier wird deutlich, dass der Trend zunächst die Premiumliga erfasst.
Weinhandl und Janek wissen aus Erfahrung, dass hiesige Unternehmen noch nie für den grossen Wegwerf-Reibach standen. Janek: „Liechtenstein und das Rheintal waren immer schon ein bisschen sensibler als andere Wirtschaftsregionen. Hier wurden schon früher eher Trinkflaschen als blinkende Techniksachen verschenkt.“ Beispielhafte Unternehmen der Region, die auf Nachhaltigkeit wert legen, sind Omicron im Vorarlberger Klaus, das Heiz- und Lufttechnikunternehmen Hoval in Vaduz, die Agentur Leone Ming, Visible Marketing in Schaan oder auch up! consulting in Ruggell.

Eigene faire Produktionslinien

Denn gerade das Rheintal hat viele Unternehmen weltbekannten Renommees zu bieten, deren Exportanteil über 50 Prozent liegt. Grund genug für sie, in Lateinamerika, Asien oder Saudi-Arabien Werbemittel aus lokaler Produktion anzubieten. Geschenke aus der Heimat sozusagen. An China kommt jedoch auch KW Open als Produktionsort nicht herum. Janek: „Wir würden gern unseren Kunden sagen: ‚Wir produzieren ums Eck.‘ Bei Bekleidungs-Sonderproduktionen setzen wir Jahren auf europäische Hersteller, diese sind besser kontrollierbar und verstehen eher, was Nachhaltigkeit bedeutet. Doch Taschen zum Beispiel, selbst hochwertige, werden alle in China hergestellt.“ So fahnden sie eben nach seriösen Produzenten und erstellen mit ihnen Produktionslinien, das sogenannte „Setup“, für eine Taschenkollektion mit alternativen Materialien. Eine solche Tasche dürfte später zwischen 30 und 50 Prozent mehr kosten, als eine aus regulärem Polyester mit PVC-Beschichtung, doch es lohnt. Denn die beiden Marketingspezialisten produzieren nie ins Blaue hinein. Für Unternehmen sind sie Komplettanbieter und erarbeiten mit ihnen passgenaue Strategien. Und inzwischen können sie auch bereits auf grosse Importeure bezüglich Detailverbesserungen Einfluss nehmen.

Neuentdeckung der Funktion

Und meistens ist weniger mehr. Denn wenn es bei vielen Anbietern der Werbemittelbranche immer noch bunt blinkt und rattert, geht es bei KW open leiser zu. Ihr neues Lieblingsprodukt ist eine Wasserflasche. Janek: „Die Retap-Wasserflaschen nach dänischem Design vertreiben wir seit kurzem für Liechtenstein, die Schweiz und Österreich als Promotionsartikel. Sie spart PET-Flaschen und somit viel Müll und Geld. Denn in unseren Breitengraden kommt aus dem Wasserhahn einwandfreies Wasser.“ Die Funktion auch eines Werbeartikels dürfte einen neuen Wert erhalten. Selbst wenn Umweltaspekte nicht im Vordergrund stünden, wäre schon lange fällig, ernsthaft anzustreben, dass das Give-away nicht im ersten Mülleimer landet und den Beschenkten möglichst lange begleitet. Wenn er hierbei möglichst häufig an das Unternehmen denkt, das ihm das Produkt geschenkt hat, profitieren alle Seiten.

Bild: Kräutertrio mit Bio-Samen als Werbegeschenk (KW open). 

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