Chrysler kauft sich frei

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 25.05.11
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Für Fiat ist der Weg frei, die Mehrheit an Chrysler zu übernehmen. Der drittgrösste heimische US-Autobauer zahlt 5,9 Milliarden Dollar an Krediten zurück, die er bei den Regierungen der USA und Kanadas aufgenommen hat. Damit sinkt die Zinslast für das Unternehmen.

Chrysler wird wieder ein ganz normales Unternehmen. Der US-Autobauer hat gestern den grössten Teil der Krediten zurückgezahlt, mit denen die Regierungen der USA, Kanadas und der kanadischen Provinz Ontario vor dem Konkurs gerettet hatten. Das Unternehmen zahlt 5,9 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro/5,2 Milliarden Franken) an die US-Regierung und 1,6 Milliarden Dollar an Kanada und Ontario zurück.

Zinsbelastung sinkt

Damit ist ein Grossteil der ursprünglich 10,5 Milliarden Dollar an Staatshilfe zurückgezahlt. Die US-Regierung wird immer noch einen Anteil von 8,6 Prozent am Unternehmen mit Sitz in Auburn Hills in Michigan halten. Auch der kanadische Bundesstaat und Ontario werden noch einige Aktien besitzen.
Finanziert wird die Rückzahlung mit Anleihen und Krediten. Chrysler nimmt auf dem Anleihemarkt 3,2 Milliarden Dollar auf und borgt sich bei Banken weitere 4,3 Milliarden Franken. Der Zinssatz sinkt damit von bisher 12 auf künftig 6 Prozent. Das spart dem Unternehmen jährlich 300 Millionen Dollar.

Fiat erhöht seinen Anteil

Das schenkt ein. Denn die Zinszahlungen für die staatliche Rettung haben das Unternehmen im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Dollar gekostet. Dennoch konnte Chrysler im ersten Quartal 2011 einen Gewinn von 116 Millionen Dollar einfahren - den ersten seit der Beinahe-Pleite 2009.

Auch Fiat beteiligt sich an der Umstrukturierung der Schulden. Der Turiner Autobauer überweist an Chrysler 1,3 Milliarden Dollar und erhöht seinen Anteil damit um 16 auf 46 Prozent. Im nächsten Jahr könnte Fiat seinen Anteil weiter auf 51 Prozent erhöhen. Insgesamt besitzt es Optionen auf 76 Prozent. Allerdings müsste dafür ein Gewerkschaftsfonds Anteile abgeben, der derzeit die Mehrheit hält. Ob das ohne Ärger über die Bühne gehen kann, ist offen.

Rückkehr in die Unabhängigkeit

Sergio Marchionne, Chef beider Unternehmen, feiert die Rückzahlung als grossen Erfolg. Nun sei Zahltag, sagte er bei der Eröffnung eines Fiat-Verkaufssalons in Macomb, Michigan - der ersten in diesem Bundesstaat. „Chrysler gewinnt seine Unabhängigkeit zurück. Ich bin sicher, dass alle Investoren bei Chrysler davon profitieren können.”
Auch die Regierung kann die Rückzahlung als einen Erfolg der eigenen Politik feiern. Und dieser wird über die Parteigrenzen hinweg anerkannt. „Die Branche war am Boden und viele Leute haben gedacht, dass weder General Motors noch Chrysler überleben würden”, sagte Candice Miller, republikanischer Abgeordneter aus dem Autobauer-Staat Michigan. „Diese Leute hatten geraten, beide Unternehmen fallen zu lassen. Für Chrysler hätte dies das sichere Ende bedeutet.”

General Motors ist mit seiner Rückkehr in die Normalität ebenfalls weit vorangekommen. Von den 50 Milliarden Dollar an Staatshilfe hat es einen Teil ebenfalls wieder zurückgezahlt. Der Staat hält noch 26,5 Prozent am grössten US-Autobauer. Der langjährige weltweite Branchenführer konkurriert wieder mit Toyota und Volkswagen um den Titel des grössten Autobauers.

Marchionne schliesst schmerzhaftes Kapitel

Zumindest für Chrysler war es nicht die erste Rettung: Bereits Anfang der 80er Jahre musste der Staat dem Unternehmen mit einem ähnlichen Rettungsschema unter die Arme greifen. Marchionne hofft nun, dass die aktuelle Rettungsaktion auch die letzte gewesen ist. „Die Regierungen haben sich aussergewöhnlich stark eingesetzt, es wird sich hoffentlich nicht wiederholen müssen”, sagte er. „Wir schliessen nun ein schmerzhaftes Kapitel unserer Geschichte.”

Bild: 2011 Chrysler 200 sedan and convertible (Chrysler)

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