Mit dem Tandem nach China

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Geschrieben von: Marielle Moser, St. Gallen 23.03.11
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Mit dem Fahrrad von Frankreich nach China: Für Anne Salaün und Benjamin Stoll aus dem französischen Reims geht ein grosser Traum in Erfüllung. Am 31. März satteln sie ihr Tandem – CO2-frei, versteht sich – und besuchen auf ihrer Reise verschiedene Primarschulen.

Marielle Moser: Mit dem Liegetandem quer durch den Kontinent, das klingt abenteuerlich. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Anne Salaün: Mein Freund Benjamin und ich träumen seit jeher davon, gemeinsam durch die Welt zu reisen und andere Kulturen kennen zu lernen. Für uns war aber wichtig, dass wir Spass mit Sinnvollem verbinden. Deshalb haben wir uns als Absolventen einer Management-Schule dazu entschlossen, unsere Studienkenntnisse anzuwenden und ein Projekt auf die Beine zu stellen, das sowohl nachhaltig als auch interkulturell ist. So entstand die Idee, der Umwelt zuliebe mit dem Tandem bis nach Peking zu fahren und verschiedene Schulen zu besuchen. Dabei führen wir mit den Klassen Diskussionsrunden und spielerische Workshops durch, um sie auf Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz einzuführen. Gleichzeitig halten wir den Alltag und die Träume dieser Kinder filmisch fest.

Marielle Moser: Eine solche Reise ist sicher aufwendig zu organisieren...

Anne Salaün: Und ob, wir haben vor einem Jahr mit dem Planen begonnen und waren zeitlich sehr ausgelastet: Wir mussten unsere Reiseroute planen, Workshops organisieren, Dolmetscher finden – schliesslich sprechen wir nur Französisch, Englisch und Deutsch – und natürlich Schulen anschreiben. Letzteres war nicht immer einfach, weil wir etwa kasachischen oder russischen Schulen erklären mussten, dass wir keine Propaganda machen wollten. Aber jetzt haben wir unsere Reise durchgeplant und können auf die Unterstützung zahlreicher Bildungsinstitutionen zählen. Glücklicherweise sind wir Mitglieder der Studentenvereinigung Oikos, die uns als internationale Organisation wertvolle Kontakte vermitteln konnte. Nur etwas bereitet uns Sorgen: Unser Projekt kostet insgesamt 25‘000 Euro, noch fehlen uns aber noch 10‘000 Euro und ohne Geld können wir unsere Reise nicht starten. Wir tun aber alles, um weitere Sponsoren zu finden und schreiben regelmässig internationale Firmen und Organisationen an. Wir haben auch eine Webseite aufgeschaltet, um unserem Projekt bessere Visibilität zu verleihen.

Marielle Moser: Und wie bereitet ihr euch körperlich auf die 14‘000 Kilometer lange Fahrt vor?

Anne Salaün: Wir trainieren regelmässig mit unserem speziellen Liegetandem und fahren für einige Tage in abgelegene Gegenden. Vor Weihnachten waren wir sogar bei Schnee unterwegs, schliesslich müssen wir uns auf verschiedenste klimatische Bedingungen vorbereiten. Dabei können wir auch unser Material wie Zelt, Schlafsack oder Flickwerkzeuge testen.

Marielle Moser: Wieso habt ihr euch ausgerechnet für ein Liegetandem entschieden?

Anne Salaün: Wir haben ein solches Tandem gewählt, weil es bedeutend bequemer ist als ein Velo. Man fährt dabei fast liegend und verspannt sich nicht so sehr. Zudem sind Benjamin und ich beim Fahren aufeinander angewiesen: Er sitzt vorne und lenkt das Tandem, während ich hinten für die Gangschaltung zuständig bin. Sollte zudem einer von uns beim Fahren müde werden, kann er sich etwas ausruhen. Wir finden den Gedanken sehr schön, dass wir immer gemeinsam ans Ziel gelangen. Und natürlich ist es mit einem Fahrrad einfacher als mit einem Auto, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen.

Marielle Moser: Fahrt ihr auch durch die Schweiz?

Anne Salaün: Ja, wir werden die Bodenseeregion überqueren und am 12. April in St Gallen sein. Dort werden wir eine Primarschule besuchen und die Universität St. Gallen, wo wir die Schweizer Oikos-Mitglieder treffen. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Graz.

Marielle Moser: Bis zu eurer Reise dauert es nur noch wenige Tage. Seid ihr nervös?

Anne Salaün: Etwas aufgeregt sind wir schon, schliesslich wird unsere Reise sicher ein Abenteuer. Unsere Freunde  sagen, wir seien verrückt. Aber sie freuen sich auch für uns – genauso wie unsere Familie, die sich allerdings etwas sorgt. Das ist verständlich, denn unsere Reise ist nicht ungefährlich. Aber wir haben uns ausführlich über die politische Lage dieser Länder informiert und vertrauen während der Reise auf unsere Kontakte: Sollte uns etwas zustossen, können sie uns helfen. Trotz aller Aufregung freuen wir uns riesig auf unsere Tandemfahrt, die zugleich unsere Verlobungsreise ist: Wenn wir die Fahrt hinter uns haben, werden Benjamin und ich heiraten.

Zur Person: Anne Salaün ist 24 Jahre alt und hat ein Managementstudium in Reims (F) absolviert. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Benjamin Stoll wird sie mit einem Tandem nach Peking fahren und unterwegs Schulen besuchen, um mit den Kindern Workshops über Nachhaltigkeit durchzuführen.

Bild: Zvg.

 

 

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