Flut ruiniert Südafrikas Exporte

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Geschrieben von: Kristin Palitza, Kapstadt 24.01.11
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Europäer werden dieses Jahr auf die süssesten Rosinen verzichten müssen. Die weltweit beste Qualität von Sultaninen kommt aus Südafrika, wo seid Wochen Felder unter Wasser liegen. Auch Mais- und Sonnenblumenkerne sind beeinträchtigt.

Die Flut ist ein landwirtschaftliches Desaster für Südafrika. Mehr als 20.000 Hektar Felder liegen seit Mitte Dezember unter Wasser, erklärte Landwirtschaftsministerin Tina Joemat-Pettersson. Und es sind weitere Regenfälle angesagt, die die Situation des Landes weiter verschlimmern könnten.

Der Verlust landwirtschaftlicher Erträge und Infrastruktur werden das Land Millionen kosten. „Grob geschätzt werden südafrikanische Bauern um die 110 Millionen Euro verlieren”, sagte der Wirtschaftsexperte der landwirtschaftlichen Union Agri SA, Dawie Maree, in Pretoria. Das volle Ausmass der Schäden könne jedoch erst bestätigt werden wenn das Wasser zurückgetreten sei.

Schlechtere Qualität und teurer

„Wir erwarten einen scharfen Rückgang im Export und verminderte Qualität von Früchten und Getreide. Landesweit konnte nicht mal die Hälfte aller Exportfrüchte und Getreidesorten geerntet werden”, erklärt Maree. Preisanstiege seien ebenfalls zu erwarten. Die südafrikanische Regierung erklärte diese Woche 28 Gemeinden in sieben der neun Provinzen des Landes zu Katastrophengebieten. Mindestens 40 Menschen starben in den Fluten, und mehr als 6.000 verloren ihre Häuser.

Südafrika ist nach den USA, Türkei, Chile und Griechenland der fünftgrösste Rosinenexporteur der Welt und führt jährlich rund 40.000 Tonnen Sultaninen aus. Diese werden hauptsächlich in Westeuropa und Kanada verzehrt und sind generell als die weltweit beste Qualität von Rosinen anerkannt. Der Sektor erwirtschaftet jährlich 110 Millionen Euro.

Trauben zum Trocknen werden hauptsächlich in der Gegend um den Orange River in Südafrikas Northern Cape Provinz produziert wo circa 8.000 Hektar Rebstöcke angepflanzt sind. Und es ist in dieser Region, wo ungewöhnlich starke Regenfälle seit vier Wochen das verheerende Chaos geschaffen haben.

Auch Mais und Sonnenblumen

Abgesehen von Trauben, waren Mais- und Sonnenblumenfelder besonders von den Fluten betroffen. Südafrika ist der grösste Maisproduzent des Kontinents, und exportierte im vergangenen Jahr 4,5 Millionen Tonnen. Das Land ist ausserdem der zehntgrösste Exporteur von Sonnenblumenkernen. llein in drei Provinzen des Landes, in denen bereits Schätzungen stattfanden, richtete das Wasser Schäden in Höhe von mindestens 39 Millionen Euro an, erklärte Joemat-Pettersson. Von den Fluten ist die Gauteng Region betroffen, in der Johannesburg und die Hauptstadt Pretoria liegen, sowie die Provinzen North-West, Northern Provinz, Free State, Mpumalanga, KwaZulu-Natal und Limpopo. Meteorologen sagen weitere Niederschläge voraus.

Der Vaal Dam, Gautengs primäre Wasserquelle, ist nach Angaben des Ministeriums zu 99 Prozent voll, während andere grosse Dämme entweder voll sind oder überfliessen. Daher werde jeder zusätzliche Regen neue Überflutungen hervorrufen, warnte der südafrikanische Wetterdienst.

Die ungewöhnlich heftigen Regenfälle seien von Wetterphänomen La Nina erzeugt, das überdurchschnittlich starke Passatwinde über dem Pazifischen Ozean bewirkt. Im Dezember notierte das südlichste Land des afrikanischen Kontinents laut Daten des Wetterdiensts ein doppelt so grosses Volumen von Niederschlägen wie in vergangenen Jahren.

90 Prozent Ernteverlust

Im Gebiet um den Orange River, Südafrikas grösster Fluss, waren Bauern am Mittwoch den Tränen nahe. Der Fluss trat Mitte Dezember über seine Ufer und überschwemmte hunderte von Gütern und Feldern in den Northern Cape und Nord-West Provinzen. Es ist in dieser Gegend wo Südafrikas Exportrosinen angepflanzt werden.

Erschöpfte Bauern und landwirtschaftliche Helfer arbeiten Tag und Nacht, um das weitere Vordringen des Wassers aufzuhalten. Doch das ist leichter gesagt als getan: Am Dienstag rauschte der Orange River mit 5.300 Kubikmetern pro Sekunde durch die Stadt Upington im Northern Cape.

„Wir haben riesige Verluste erlitten”, klagt Coetzer Hanekom, dessen Traubenfarm Die Mas unweit von Upington liegt. Zusammen mit anderen Landwirten der Region hatte Hankekom in einem verzweifelten Versuch, das Wasser aufzuhalten, Millionen Euro zusammengetragen, um Dämme zu bauen. Doch die Massnahmen halfen wenig: ein Grossteil der Felder, Strassen, Brücken und Kanäle wurden zerstört.

„Gute 90 Prozent unserer Trauben waren noch nicht geerntet und verrotten jetzt unter Wasser”, klagt er. „Uns stehen ungemein schwere Zeiten bevor.”

Jetzt warten die Bauern verzweifelt, bis der Wasserstand sinkt. „Das Wasser muss mindestens sieben Meter zurückgehen, bevor wir anfangen können zu retten, was noch zu retten ist”, meint Hanekom.

 

Bild: In den vergangenen Jahren konnte man auf der Traubenfarm Die Mas noch beträchtliche Ernten einbringen. (Die Mas)

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