Der kommerzielle Massentourismus ist nicht nachhaltig. Das geht auch anders, meint Antonis Petropoulos, der Editor des Portals Ecoclub.com. Es wirbt mit der Philosophie und Praxis eines ökologischen, sozial gerechten und demokratischen Tourismus.
Anke Stefan: Wer hat ecoclub gegründet? Wann war das?
Antonis Petropoulos: Ecoclub wurde am 1. Juli 1999 von mir und meiner Frau gegründet. Sozusagen als Familienunternehmen.
Anke Stefan: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Antonis Petropoulos:Wir sind einige Male nach Zentralamerika, genauer gesagt nach Belize und in einige weitere Länder Lateinamerikas gereist. Anfangs war es eher ein Hobby. Wir lebten damals in London. Als wir nach Griechenland zurückgekehrt waren, wollten wir etwas Eigenes aufbauen. Und so wurde aus dem Hobby eine Profession. Allerdings hat es nie aufgehört, uns Spass zu machen. Es ist eine Arbeit, der wir viel Zeit widmen, ohne dabei reich werden zu wollen. Uns gefällt, was wir tun.
Anke Stefan: Was ist der Grundgedanke?
Antonis Petropoulos: Der Grundgedanke basiert auf der Förderung der Information und des Nachdenkens über einen ökologischen und sozial gerechten Tourismus. Wir glauben, dass bestimmte Formen von Tourismus zu einer Änderung und einem Fortschritt aus der Graswurzelperspektive führen können. Wir arbeiten zum Beispiel mit einigen ökologischen Herbergen zusammen, bei denen wir versuchen, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden. So muss ein solches Gästehaus beispielsweise entweder der örtlichen Gemeinde gehören oder von einer Genossenschaft, einem Kollektiv geführt werden oder unter Arbeiterselbstverwaltung stehen. Wir glauben, dass der Tourismus so geändert werden kann, dass er aus dem heute gültigen kapitalistischen Modell ausscheiden kann. Wir sind also auch politisch motiviert bei dem, was wir tun. Man könnte uns als ökologische Sozialisten bezeichnen. Aber wir sind keine politische Partei, keine politische Organisation. Jedes Mitglied hat seine eigenen Ansichten, es gibt keine auferlegte Linie.
Anke Stefan: Griechenland ist nicht gerade für Nachhaltigkeit und Umweltschutz bekannt. Warum wurde ausgerechnet der Moloch Athen als Sitz gewählt?
Antonis Petropoulos: Nun, Athen ist eine Metropole, eine Stadt mit Geschichte, eine der ältesten Städte der Welt, die eine Historie und eine Tradition in unmittelbarer Demokratie, Zivilisation und Kultur hat. Ausserdem sitzen wir ungefähr in der Mitte der Erde, egal ob von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Und das Internet gibt uns die Möglichkeit, überall präsent zu sein.
Anke Stefan:Wir funktioniert Ecoclub?
Antonis Petropoulos: Ecoclub ist ein Netzwerk aus Mitgliedern, Personen, aber keinen Firmen. Zur Zeit haben wir Mitglieder in 62 Ländern der Welt. Drunter sind Studierende, Bauern, Architekten, Hoteleigner, alles Mögliche. Jeder, der möchte, kann Mitglied werden. Ecoclub ist ein Netzwerk, wir versuchen nicht, wie eine Partei oder ähnliche Organisation zu arbeiten. Wir haben nicht eine Stimme, sondern so viele, wie wir Mitglieder sind. Diese Polyphonie unterstützen wir. Jedes Mitglied hat das Recht, auf der Seite von Ecoclub zu veröffentlichen, was es will. Seinen eigenen blog zu unterhalten, über die eigene Tätigkeit zu schreiben.
Anke Stefan: Andererseits ist Ecoclub aber ein Wirtschaftsunternehmen...
Antonis Petropoulos: Wir verkaufen keine Produkte, sondern bieten Dienstleistungen an. Jedes Mitglied entrichtet einen Beitrag, der es uns ermöglicht, die Verwaltungsausgaben zu decken. Der Mindestbeitrag beträgt 24 Euro jährlich. Aber nicht alle Mitglieder entrichten finanzielle Beiträge. Für jemanden aus Indien sind 24 Euro viel Geld. Deswegen man kann auch Mitglied werden, indem man einen Beitrag für die Seite schreibt. Der Beitrag muss natürlich zur Thematik von Ecoclub passen und es gibt einige Richtlinien dafür. Die meisten Beiträge haben einen wissenschaftlichen Charakter, aber wir nehmen auch Reiseberichte an. Die müssen allerdings gut und keine Werbeberichte sein. Etwa ein Siebtel unserer Mitglieder hat seine Mitgliedschaft quasi erschrieben, die meisten zahlen allerdings einen Mitgliedsbeitrag.
Vierzig Prozent der Beiträge gehen jedes Jahr an Projekte meist in den unterentwickelten Ländern der Dritten Welt. Unser Mitglieder entscheiden, welche Projekte unterstützt werden. Jedes Jahr werden so drei Projekte ausgewählt, die wir mit unterstützen. Nicht mit riesigen Summen. Dieses Jahr zum Beispiel stellen wir 6000 Euro zur Verfügung, mit anderen Worten 2000 für jedes Projekt. Mit diesen Geldern wollen wir dazu beitragen, Grundsätzliches zu schaffen.
Anke Stefan: Was wird gefördert?
Antonis Petropoulos: Dieses Jahr unterstützen wir in Nepal ein Projekt in einer Gegend, wo es Rote Pandas gibt. Es liegt in einem Wald in Gemeindebesitz, das heißt das Waldgebiet, wird von der dort lebenden Bevölkerung verwaltet. Hier soll ein Zentrum für moderaten, nachhaltigen Tourismus gebaut werden.
In Chile unterstützen wir ebenfalls ein Projekt einer regionalen Gemeinde. Dort soll eine Gemeinschaftsküche eingerichtet werden, mit der auch anreisende Gruppen verpflegt werden können. Sie wird in einem traditionellen Gebäude gebaut, dass durch Feuer beschädigt worden war.
Unser drittes diesjähriges Projekt liegt in Kolumbien, einer schwierigen Gegend. Südlich von der Hauptstadt Bogota gibt es Vereine, die sich der Vogelbeobachtung widmen. Sie unterstützen wir beim Bau eines Ausbildungszentrums.
Anke Stefan:Was bringt die Mitgliedschaft in Ecoclub?
Antonis Petropoulos: Wir bieten verschiedene Dienstleistungen an. Unsere Mitglieder haben Zugang zu Informationen, die individuell oder auch kollektiv interessant sind. Einer unserer Studenten kann so zum Beispiel Unterstützung bei seinen Recherchen in einem bestimmten Gebiet finden, indem wir ihn in Kontakt mit Gemeinden und Hotels bringen. Ecoclub unterhält auch einen Stellenmarkt, über den Arbeit oder Arbeitskräfte in unserem Themenbereich gefunden werden können. Wenn jemand Berater ist, bieten wir einige Möglichkeiten für Consulting an. Wer ein Hotel oder ein Gästehaus hat, kann sie über unsere Seite bewerben. Für jeden ist etwas dabei. Dabei stützt ein Mitglied das andere, in Athen koordinieren wir nur das Netzwerk.
Anke Stefan:Auf der Internetseite von Ecoclub gibt es auch einen Veranstaltungskalender. Werden all diese teilweise mit hohem Aufwand verbundenen Veranstaltungen von Mitgliedern organisiert?
Antonis Petropoulos: Nicht alle diese Veranstaltungen sind unsere eigenen. Wir arbeiten auch als eine Art Informationszentrum rund um den ökologischen Tourismus und verwandte Themen. So haben wir auch einige Informationen zu nachhaltiger Landwirtschaft. Und wir führen Interviews zum Thema ökologischer Tourismus und Verwandtem. Ecoclub arbeitet wie eine Kooperative.
Anke Stefan:Wieso ist Ecoclub dann ein Unternehmen?
Antonis Petropoulos: Als wir anfingen, hatten wir geplant, auch selbst ein Gästehaus zu unterhalten. Diese Planung ist nie umgesetzt worden. Aber letztendlich war es einfacher, Ecoclub als Unternehmen zu behalten als in einen Verein oder Ähnliches umzuwandeln. Das ist ein rein bürokratisches Problem. Es ist zum Beispiel viel einfacher, als Kapitalgesellschaft zu agieren, wenn man solche Projekte unterstützen will, wie oben beschrieben. Versucht man dies als Nichtregierungsorganisation, ist es ein buchhalterischer Alptraum, die Steuerprüfung davon zu überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Als Kapitalgesellschaft muss man zwar eine ganze Reihe Steuern bezahlen, aber die Buchhaltung ist viel einfacher und standardisierter.
Zur Person: Antonis Petropoulos, Jahrgang 1970, wanderte in den 90er Jahren nach Grossbritannien aus, um Wirtschaft an der London School of Economics zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er einige Jahre in London für eine koreanische Seehandelsgesellschaft, bevor er in seine Heimat zurückkehrte.
Seit seinen Jugendjahren davon überzeugt, dass Ökonomie und Ökologie zusammengehören gründete er 1999 in Athen zusammen mit seiner Frau das Netzwerk Ecoclub. Formal Präsident von Ecoclub, zieht Antonis Petropoulos die Bezeichnung „Editor“ als Berufsbezeichnung vor.
Bild: Anke Stefan
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