Bausünden rächen sich

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Geschrieben von: Wolf H. Wagner, Florenz 12.11.10
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Anhaltende Regenfälle setzen weite Teile Italiens unter Wasser, deshalb fordert Staatspräsident Napolitano strengere Gesetze gegen umweltschädliches Bauen. Denn dass die Ausmasse der Schäden so gross sind, schreiben Umweltschützer dem Verstoss gegen grundsätzlich Regeln zu: Flussbegradigungen, ufernahes Bauen, Einengung von Auffangbecken.

Die Schlechtwetterfronten, die die Appenninhalbinsel seit mehr als einer Woche überziehen, haben in weiten Teilen des Landes zu grossen Überschwemmungen geführt. War zunächst der Norden - von der Lombardei bis hin zum Veneto - betroffen, so meldete am Mittwoch auch der Süden Italiens „Land unter”. Schwere Regenstürme brachten den Fluss Sele (Kampanien) zum Überlaufen. Der Hochwasser führende Fluss zerstörte die Dämme und ergoss sich über Städte und Dörfer in der Region um Salerno. Dreihundert Personen der Gemeinden Trentalone di Gromola und Ciurnito mussten evakuiert werden. In welcher Höhe der Sachschaden zu erwarten ist, kann noch nicht bemessen werden, die Unwetter dauern an. Von einer Entwarnung kann noch lange nicht die Rede sein.

Kritik an Veneto-Hilfe der Regierung

Ähnlich geht es den Bewohnern im seit Ende voriger Woche betroffenen Veneto. Bislang waren vier Todesopfer zu beklagen. Die Städte Vicenza und zum Teil Padua stehen unter Wasser, viele Bewohner können ihre Häuser nicht verlassen und werden mittels Feuerwehrbooten mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. In manchen Stadtteilen ist auch die Energieversorgung zusammengebrochen.

Ursache für die Überschwemmungen in der Padana-Ebene waren die sintflutartigen Regenfälle, die das Wasser in den Flüssen und Bächen aus den Dolomiten zum Überfluten brachten. Weite Strecken der Ebene sind überschwemmt. Bereits in den ersten Tagen waren Schäden in Höhe von 35 Millionen Euro gemeldet worden, die Summe hat sich inzwischen deutlich vergrössert.

Regierungschef Silvio Berlusconi (Pdl) und Reformminister Umberto Bossi (Lega Nord) besuchten gemeinsam am Dienstag das Krisengebiet. Berlusconi sagte inzwischen eine Soforthilfe von 300 Millionen Euro für das Veneto zu - Beifall von Regionspräsidenten Luca Zaia, Kritik aus anderen Landesteilen. Denn es wird nicht von einer Hilfe für die in Not Geratenen gesprochen, sondern von einer Bevorzugung des ohnehin reichen Venetos gegenüber dem armen südlichen Kampanien. Zudem wird ein politischer Deal zwischen Berlusconi und Bossi geargwöhnt, da das Veneto von der Lega Nord regiert wird.

Keine klaren Gesetze - jeder macht, was er will

Staatspräsident Giorgio Napolitano mahnte mit scharfen Worten, gültige Regulative für den Umgang mit der Umwelt aufzustellen. Vielerorts würden die bestehenden Gesetze missachtet, auch fehlten manche Regeln völlig, erklärte Napolitano nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister der betroffenen Stadt Vicenza, Achille Variati. Der Bürgermeister hatte sich beklagt, dass die schon 1992 in Angriff genommenen Sicherheitsmassnahmen - von Region und Staat finanziert - nach kurzer Zeit abgebrochen und nie wieder aufgenommen wurden. Variati fragt, wohin die Gelder geflossen sind.
Kritik gibt es auch von Umweltverbänden: In vielen Gemeinden baue man in die Flusstäler hinein, ohne einen notwendigen Auenschutz zu beachten. Flüsse würden begradigt und kanalisiert, so dass das Wasser mit grösserer Geschwindigkeit durchs Bett läuft - Katastrophen seien bei solch Herangehen geradezu vorhersehbar.

Unkoordiniertes Handeln beklagt auch der in Mestre sitzende Direktor des italienischen Zentrum für Fluss-Sanierung, Andrea Goltara: Es gibt kein allgemeines Regulativ, jede flussansässige Gemeinde handelt nach ihren Vorstellungen. Goltara warnte vor neuen Katastrophen.
Auch in der Toscana sieht man unruhig dem Wettergeschehen zu. Die heftigen Regenfälle erinnern an den November 1966, als weite Teile von Florenz vom tobenden Arno überflutet waren.

 

Bild: ildiperdente.blogspot

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