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Geschrieben von: Nathalie Schoch, St. Gallen 28.05.10
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Der Doppelstockzug ist für Stadler Rail einstweilen abgefahren. Das Thurgauer Unternehmen legt keinen Rekurs gegen die Entscheidung der SBB ein. Doch Stadler ist in seinem angestammten Metier, den Regionalzügen, gut unterwegs. Noch konzentriert sich das Unternehmen auf Europa.

Das Thurgauer Unternehmen Stadler Rail in Bussnang konnte bislang davon profitieren, dass in der Schweiz jede Person im Schnitt 2.422 Kilometer pro Jahr mit der Bahn zurücklegt und die weltweit die Rangliste der öV-Benutzer anführt. Erst im April dieses Jahres hat man einen Auftrag der SBB über 355 Millionen Franken für 24 Doppelstockzüge zum Einsatz auf RegioExpress-Linien erhalten. 2008 hatte die SBB bereits 50 Züge des gleichen Typs bei Stadler Rail bestellt. Gute Nachrichten, auch wenn im Mai der grösste Auftrag in der Geschichte der SBB nicht an die Thurgauer ging. Denn die Schienenfahrzeugbranche befindet sich in einer dynamischen Restrukturierungsphase. Peter Spuhler, Geschäftsführer und Inhaber von Stadler Rail, sagt: „Stadler hat diese Aufgabenstellung in den letzten Jahren erfüllt und sich entgegen dem negativen Trend unserer Branche ausserordentlich gut entwickelt."

Grösste Zahnradlokomotive der Welt

Als Familienunternehmen veröffentlicht die Stadler Rail Group keinen Geschäftsbericht. Doch die Entwicklung zeigt sich nicht nur anhand von SBB-Aufträgen. Auch die BLS AG, das zweitgrösste Bahnunternehmen der Schweiz, setzt sein Vertrauen in die Stadler Rail. BLS tätigt die grösste Rollmaterialinvestition ihrer Geschichte und beschafft sich bei Stadler bis Ende 2014 insgesamt 28 Doppelstockzüge für die Berner S-Bahn. Das Ganze hat einen Wert von 493,7 Millionen Franken. Auch weit über die Grenzen hinaus macht sich Stadler einen Namen. Für einen brasilianischen Auftraggeber baut man die grösste Zahnradlokomotive der Welt. Die Lokomotiven werden zwischen São Paolo und dem Hafen von Santos eingesetzt. Im Bereich der Zahnradbahnen ist Stadler Rail Weltmarktführer. Hinter den Schweizern liegt ein steiler und mitunter steiniger Weg, seit 1942 Ernst Stadler in Zürich das Ingenieurbüro Stadler gegründet hat. Doch wie ihre Zahnradbahnen täglich tausende Passagiere in luftige Höhen transportiert, so hält auch das Unternehmen am Aufwärtstrend fest. Mitarbeiteranzahl, Bestellungseingang und Umsatz konnte das Unternehmen in den letzten Jahren kontinuierlich steigern.

Stadler Rail Group

Die Schweizer Stadler Rail Group will weltweit weiterhin Nummer eins im Zahnradbahn-Fahrzeugmarkt bleiben. Die Stadler Rail sieht sich als Ergänzung zu den weltweit grossen Schienenfahrzeug-Konzernen wie Alstom, Bombardier und Siemens positioniert.

Die bekanntesten Fahrzeugfamilien der Stadler Rail Group sind der Gelenktriebwagen GTW, der Regio Shuttle, der Flirt und der Doppelstockzug DOSTO im Segment der Vollbahnen und die Variobahn sowie der neu entwickelte Tango im Segment der Strassenbahnen. Im Weiteren stellt Stadler Rail Reisezugwagen und Lokomotiven her und ist weltweit der führende Hersteller von Zahnradbahnfahrzeugen.

Flirten mit Stadler-Modellen

Die Stadler Rail Group fokussiert sich weltweit auf die Segmente Regional- und Vorortsverkehr, Strassen- und Zahnradbahnen. Die Produktpalette reicht von Einzel- und Sonderfahrzeugen über Klein- und Mittelserien bis hin zur Modernisierung von Schienenfahrzeugen. Die bekanntesten Modelle des Stadler-Sortiments sind die Niederflur-Gelenktriebwagen GTW, der Regio-Shuttle RS1 sowie der FLIRT. Stadler bietet komplette Fahrzeugkonzepte an. Dabei geschieht vom Kasten- und Drehgestellbau bis hin zur Endmontage alles unter einem Dach. Zweckgerichtete Technologien, Leichtbauweise und Konstruktionen sollen helfen, die Betriebs-, Energie- und Unterhaltskosten tief zu halten. Modulare Konzepte decken spezifische Bedürfnisse der Bahngesellschaften ab und sind einer der Gründe für den Erfolg der Stadler Rail Group. Insgesamt sind 3.000 Mitarbeitende beschäftigt, dies an den Standorten Altenrhein SG, Bussnang TG und Winterthur ZH sowie im Ausland in Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien und in Algerien. Rund zwei Drittel von den in der Schweiz hergestellten Fahrzeugen werden exportiert.

Zukunft ungewiss

Dass der Zuschlag der SBB über 59 Doppelstöckern nach Kanada ging, lähmt Bussnang keineswegs. „Bis Ende 2012 sind wir ausgelastet", sagt Peter Spuhler. Doch was danach komme, sei noch offen – und schwer vorauszusagen. Ob es Stadler Rail bei einem aktuellen Schweizer Exportanteil von zwei Dritteln gelingen werde, den verlorenen SBB-Auftrag zu kompensieren, sei fraglich. „Hinzu kommt die markante Euro-Schwäche, die uns zusätzlich unter Druck setzt", so Spuhler. „Wir sind in allen europäischen Ländern aktiv. Wenn eine für uns und unsere Produktpalette interessante Ausschreibung stattfindet, machen wir mit", sagt Generalsekretärin Vincenza Trivigno. Doch jetzt steht erstmal die Analyse der SBB-Erklärung an. Danach wird sich zeigen, ob aus dem Thurgau ein Rekurs nach Bern rollt.

 

Bild: Ein Design-Bild des Elektrischen Doppelstocktriebzugs DOSTO, den die Stadler Rail Group der SBB für den Fernverkehr verkaufen wollten. Den Auftrag haben sie leider nicht erhalten (Stadler Rail Group).

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