Pragmatische Unterstützung vor Ort ist der Schlüssel zum Exporterfolg von Cleantech-Unternehmen. Das ist der Leitsatz von Uwe Krüger, Präsident der neuen Exportplattform „Cleantech Switzerland" des Schweizer Aussenwirtschaftsförderers Osec.
Yvonne von Hunnuis: Warum sollen Unternehmen gerade im Cleantech-Bereich exportieren? Uwe Krüger: Die Exportplattform ist Teil der Bundes-Bestrebungen im Rahmen des Konjunkturprogrammes, das Export fördern und Arbeitsplätze schaffen soll. Und Cleantech ist ein Bereich, der sehr exportträchtig ist: 40 Prozent der Schweizer Cleantech-Unternehmen exportieren ihre Dienstleistungen bereits und die Wachstumsquoten sind hoch. Gerade hier ist ein grosser Hebel für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die gilt vor allem fuer kleine und mittelstaendische Unternehmen. Dort ist innovatives Unternehmertum besonders ausgepraegt und sie bilden das Rückrat der Schweizer Wirtschaft. Yvonne von Hunnuis: Mit welcher Entwicklung rechnen Sie? Uwe Krüger: Gegenwärtig liegt die Bruttowertschöpfung in der Schweiz bei Cleantech bereits bei 18 bis 20 Milliarden Franken, das sind 3,5 Prozent des BIP. Schon jetzt arbeiten hier 160.000 Beschäftigte. Wir erwarten weltweit ein überdurchschnittliches Wachstum im zweistelligen Bereich, der Markt ist sehr dynamisch. Verwandte Themen| { Auf die Stärken besinnen, 18.03.10 } | | { Politik lässt Markt im Stich, 16.02.10 } | | { Nachhaltig in Zeiten der Krise, 04.02.10 } | | { Den Horizont erweitern, 09.12.09 } | | { Sauberer Druck auf Bern, 19.11.09 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } | | { Es kann mehr getan werden, 17.11.09 } | | { Jeder Beitrag zählt, 16.11.09 } | | { Wachstum dank Klimaschutz, 09.11.09 } | | { Wirtschaft will Nachhaltigkeit, 02.11.09 } | | { Nachhaltigkeit hat Zukunft, 13.10.09 } | | { Politik und Wirtschaft gefordert, 17.08.09 } | | { Gewinne mit gutem Gewissen, 23.07.09 } | | { Nachhaltigkeit in den Chefetagen, 19.07.09 } | | { Gute Praktiken wiederbeleben, 17.06.09 } | | { Grünes Wissen sichert Stellen, 28.04.09 } |
Yvonne von Hunnuis: Eher kleine und mittlere Unternehmen sind zögerlich im Export – wie kann gerade ihnen geholfen werden? Uwe Krüger: Die Plattform hat sich zur Aufgabe gemacht, so pragmatisch wie möglich für Geschäftschancen zu sorgen. In kleinen und mittleren Unternehmen fehlt oft Wissen über die Zielmärkte wie Nordamerika, China oder Indien, während bezüglich in Europa meist bereits ein gutes Netzwerk existiert. Wir wollen mit zielgerichteten Informationen über die Zielmärkte durch geeignete Werbe- und Kommunikationsmassnahmen helfen. Zum einen sollen Schweizer Unternehmen stärker wahrgenommen werden. Zum anderen sind die sogenannten Scouts wichtiger Teil unserer Strategie: Experten vor allem aus dem Osec-Netzwerk, aber auch erfahrene lokale Fachleute unterstützen die KMU in den Zielmärkten mit ihrer Sachkenntnis. So helfen sie, von Ausschreibungen rechtzeitig zu erfahren, erste Kontaktpersonen zu finden und im Wettbewerb erfolgreich zu bestehen. Yvonne von Hunnuis: Wie sehen jetzt die ersten Schritte aus? Uwe Krüger: Zielrichtung ist nicht, dass man besonders viele Werbeveranstaltungen organisiert oder viel Papier produziert. Wir wollen möglichst schnell die Daten der Unternehmen sammeln, die von der Hilfe profitieren können, um dann die Scouts zu informieren und mit der Anbahnung von Geschäftskontakten loszulegen. Wir haben auch auf der Messe Globe 2010 in Vancouver schon sehr interessante Gespräche geführt. Von der Provinzverwaltung in British Columbia kamen sogar schon Vorschläge, wo Schweizer Technologie helfen könnte. Und sechs KMU haben mit der Unterstützung des Konsulates einen Matchmaking-Workshop gehalten. Der pragmatische Ansatz, innovative Unternehmer mit zuverlässigen Produkten im Cleantechbereich mit Auftraggebern zusammenzuführen, kommt an. Viele wissen Schweizer Qualität zu schätzen. Yvonne von Hunnuis: Wie kann ein Unternehmen teilhaben? Die Struktur der Plattform ist die eines Vereins der Verbände. Wir wollen Unternehmer hier nicht zur Kasse bitten. Wir haben Verbände angesprochen, die sich bereits im Cleantech-Bereich gebildet haben, um für den maximalen Multiplikator-Effekt zu sorgen. Und auch, damit die Dopplung bereits bestehender Strukturen vermieden wird. Und wir sehen, dass rund 600 Unternehmen von der Plattform profitieren werden, Tendenz steigend. Und es ist uns ein Anliegen, nicht nur diejenigen zu fördern, die schon etabliert sind, sondern gerade auch Startups. Yvonne von Hunnuis: Standpräsenzen wie auf der Globe 2010 sind für KMU teuer, bieten Sie hier die Hand? Uwe Krüger: In der Zukunft soll auch eine Unterstützung von Standpräsenzen möglich sein. Doch es geht uns stark um die zielgerichtete Information durch die Scouts. Da sollen Eins-zu-Eins-Verbindungen hergestellt werden und da liegt der Schlüssel zum raschen Erfolg, der sich in Aufträgen und Umsatz misst. Yvonne von Hunnuis: Eines Tages auch für die Plattform... Uwe Krüger: Zunächst sind wir mit den Bundesmitteln so ausgestattet, dass wir Mehrwert generieren können. In drei bis fünf Jahren soll die Plattform natürlich selbsttragend sein. Wir stellen die Strukturen von Anfang an darauf ab. Doch das steht jetzt nicht unmittelbar im Vordergrund. Yvonne von Hunnuis: Wo sehen Sie Schwerpunkte bei Zielmärkten und Branchen? Uwe Krüger: Wir haben das sorgfältig analysiert – auch mit den Verbänden, die an der Plattform teilnehmen. Die Zielmärkte sind zuvorderst China, Nordamerika und Indien. In Europa sind Grossbritannien und Polen besonders spannend. Nicht zuletzt liegt ein Schwerpunkt auf dem Mittleren Osten, den Emiraten, Oman, Bahrein. Masdar ist ein Beispiel, wo mit der Swiss Village Initiative bereits für Schweizer Engagement wichtige Zeichen gesetzt wurden. Bei diesem Leuchtturmprojekt will die Plattform gezielt unterstützen. Bei den Branchen ist die Schweizer Solarindustrie sicher ganz vorne dabei. Dann das Abfallmanagement, das ein ausgezeichnetes Renommee besitzt. Der dritte Bereich bezieht sich auf Energieeffizienz. Hier existiert auch eine interessante Verbindung zu einer weiteren Plattform, die mit Bundesmitteln geschaffen wird – der Architektur- & Design-Plattform. Yvonne von Hunnuis: Auch die Unternehmen könnten stärker komplementär arbeiten – wie kann hier stärkere Kooperation geschaffen werden? Uwe Krüger: Das ist uns wichtig. Wir fördern das durch einen E-Hub, ein Internetportal zum Austausch der Unternehmen. Dort könnten auch Joint Venture Partnerstrukturen eine Rolle spielen. Letztlich geht es hier nicht nur um die Koordination zwischen den Unternehmen, sondern auch der verschiedenen Initiativen auf Regierungsseite. Wir wollen ja nicht Geld für mehr Verwaltung ausgeben, sondern bestehende Strukturen nutzen, um dabei das Geld des Steuerzahlers so effizient wie möglich einzusetzen. Zur Person: Dr. Uwe Krüger ist Präsident der neuen Exportplattform „Cleantech Switzerland" des Schweizer Aussenwirtschaftsförderers Osec. Der Cleantech-Experte hat Wirtschaftswissenschaften, Physik und Mathematik studiert und war im Laufe seiner Berufslaufbahn unter anderem im Rahmen des Hochtief-Konzerns CEO fuer Central Eastern Europe, Senior Vice President der Turner Corporation (Dallas, USA) und zuletzt CEO des Schweizer Technologie-Konzerns Oerlikon.
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