Eine Branche steht unter Strom

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Geschrieben von: Roger Infalt, Genf 03.03.10
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Am Donnerstag öffnet der Genfer Autosalon seine Türen für die breite Öffentlichkeit. Die erste grosse europäische Automesse des Jahres bringt hundert Welt- und Europapremieren, zeigt viel Strom und will Verbrauch und Abgase senken. Doch das Modellfeuerwerk täuscht nur schwer über die Krise der Autoindustrie hinweg. Die Krise ist immer dabei.

Der Sonnenschein über dem Genfersee könnte Frühlingsgefühle aufkommen lassen. Doch in den Ausstellungshallen der Palexpo herrschte „eisige Kälte“. Alle Jahre bietet der Genfer Automobilsalon die Gelegenheit für die Branche, der Welt die Neuigkeiten aus dem Fahrzeugbereich zu zeigen. Diesmal haben die Hersteller es besonders nötig. Mit einem wahren Modell-Feuerwerk – rund hundert Welt- und Europapremieren stehen auf dem Programm - will man von Krise und Toyota-Desaster ablenken. Doch das gelingt kaum. Die von den einzelnen Herstellern nach Genf entsandten Vertreter haben das Lächeln anscheinend verlernt. Stattdessen sind die Gesichtszüge starr und lassen unschwer den Ernst der Lage erkennen.

Deutsche halten sich zurück

Auch Höhepunkte wie der neue Ford Focus, der Mazda 5, der Alfa Romeo Giulietta und die Renault-Cabrios Wind und Mégane Coupé können darüber nicht hinwegtäuschen. Die deutschen Hersteller halten sich mit neuen Modellen etwas zurück. BMW präsentiert den komplett neu entwickelten 5er, Audi setzt auf den A 1 im Kleinwagensegment, und Opel enthüllt den Kompaktwagen Meriva. VW will mit der Neuauflage des Familienwagens Sharan und dem Touareg punkten. Der Sportwagenbauer Porsche, der im VW-Imperium aufgehen soll, brachte den neuen Cayenne an den Genfersee.

Ran an die Steckdose

Viele Aussteller stehen unter Strom. So zum Beispiel der japanische Hersteller Honda mit dem 3R-C. An den Anblick des Dreirads müssen wir uns noch gewöhnen, denn es sieht aus wie ein Insekt und bietet nur einer Person Platz. Dafür unterstreicht Honda den Umweltgedanken mit der Konzeption als Elektrofahrzeug für die Stadt.
In die gleiche Kerbe schlägt das Edag Light Car Open Source. Es soll inklusive eines Batteriepakets mit 150 Kilometer Reichweite nicht mehr als 1.200 Kilogramm auf die Waage bringen. Den Elektro-Trend hat auch das französische Unternehmen Heuliez erkannt und stellt in Genf den Microbus vor. Genauso viel Platz wie in einem Bus oder einem SUV soll die Giugiaro Proton Studie bieten, die aber trotzdem nur die Masse eines Kleinwagens hat.
Das IED Tesla Eye Concept will mit seinem Elektroantrieb ebenfalls umweltfreundlich sein, legt aber auch Wert auf die sportliche Optik. Es wurde in Zusammenarbeit mit Studenten der italienischen Designhochschule IED entworfen. Mehr an der Mittelklasse orientiert sich das Opel Flextreme GT/E Concept. An der Vorderachse arbeitet ein 120 kW und 370 Nm starker E-Motor, der das viersitzige Coupé in knapp neun Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigen soll.

Hybrid steht hoch im Kurs

In Genf stehen Autos der Zukunft mit alternativen Antrieben im Scheinwerferlicht. Mercedes zum Beispiel schickt den E300 Hybrid ins Rennen, Porsche gibt mit der Hybrid-Variante des Cayenne Gas, und auch VW setzt auf den Hybridantrieb beim Geländewagen Touareg.

Aus Frankreich kommen gleich drei Studien, zwei davon von Peugeot, eine von Citroen. Der Citroen DS High Rider ist eine kompakte Studie mit Diesel-Hybridantrieb und soll das sportliche Fahrgefühl eines Coupés mit den praktischen Eigenschaften eines Kompaktfahrzeugs verbinden. Der Peugeot SR1 trägt ein Kohlefaserkleid und ist mit Hybrid-Antrieb ausgestattet. Der Peugeot 5 soll das neue Spitzenmodell von Peugeot werden und verfügt über einen Diesel- und einen Elektromotor. Ebenfalls an der Spitze der Modellpalette soll in Zukunft der Hyundai i-Flow stehen, der als Luxuslimousine konzipiert ist. Sicherlich auch im Premium-Segment angesiedelt ist das Forschungsfahrzeug Mercedes F800, das vor allem durch das aggressive Design Aufsehen erregt.

Die Zukunft ist verbrauchsarm

Die frühere Halle 3 hat sich seit dem Salon im vergangenen Jahr zum Pavillon Vert entwickelt. Die breite Vielfalt an unterschiedlichen Lösungen und Wegen in die Mobilität der Zukunft findet in dieser Halle einen gemeinsamen Nenner: Alle ausgestellten Fahrzeuge und Prototypen, alle Projekte und Konzepte setzen auf die konsequente Reduktion von Verbrauch und Abgasemissionen.

Eine Premiere zeigt zudem das Schweizer Unternehmen TEXX mit der weltweit leistungsstärksten Ladestation für Elektrofahrzeuge. Und wer sich einen Eindruck darüber machen will, wie denn ein mit Wasserstoff betriebener Opel HydroGen4 oder ein Elektrofahrzeug wie der Mitsubishi i-MieV, der Lampo1 oder der Chevrolet Volt zu fahren ist, kann sich vor Ort für eine kurze Testfahrt einschreiben.

100. Geburtstag von Alfa Romeo

In Sachen Alfa Romeo sind in Genf gleich zwei Konzepte zu bestaunen. Zum einen entwarf Pininfarina zum eigenen 80. Geburtstag und zum 100-jährigen Jubiläum von Alfa Romeo den Roadster und zum anderen steuert Bertone den futuristisch gestylten 2+2 Sitzer Pandion bei.

Insgesamt hofft die Autobranche auf weniger eisige Zeiten. „2010 wird ein ganz hartes Jahr", gibt selbst der bislang so erfolgsverwöhnte VW-Chef Martin Winterkorn zu. Es werde noch schwieriger als das vergangene Jahr, glaubt er. Besonders düster sieht es auf dem westeuropäischen Automarkt aus. Experten prophezeien nach dem Auslaufen der staatlichen Abwrackprämien einen Absatzeinbruch.

 

Bild: Das Edag Light Car Open Source soll inklusive eines Batteriepakets mit 150 Kilometer Reichweite nicht mehr als 1.200 Kilogramm auf die Waage bringen. (Edag)

 

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