Griechenlands einzigartige Artenvielfalt ist für die Menschheit so wichtig wie das archäologische Erbe des Landes. Doch nun ist sie bedroht. Vor allem die Waldbrände der vergangenen Jahre zerstören den Lebensraum zahlreicher Tierarten.
Die Vielfalt der Tierwelt Griechenlands. An der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und Afrika findet sich viele Arten, die anderswo keinen Platz mehr haben. So manches Reptil und eine ganze Reihe Fisch- und Vogelarten kommen nur hier vor, teilweise sogar nur in begrenzten Regionen des Landes. Um so besorgniserregender ist die Tatsache, dass mehrere hundert der fast tausend untersuchten Tierarten im neuen „Rotbuch der bedrohten Arten in Griechenland“ als vom Aussterben bedroht gelistet werden. Der Schutz dieser Artenvielfalt sei genauso wichtig wie der des archäologischen Vermächtnisses des Landes, erklärte S. Giokas von der Griechischen Zoologischen Gesellschaft anlässlich der Vorstellung des Rotbuchs. Verwandte Themen| { Vielfalt im eigenen Garten, 26.02.10 } | | { Wissenswertes über den Wald, 19.02.10 } | | { Mit Vielfalt gegen Hunger, 18.02.10 } | | { Biodiversität braucht einen Preis, 15.02.10 } | | { Biodiversität schützen , 13.02.10 } | | { Vielfalt fördert Lebensqualität , 09.02.10 } | | { Biodiversität stärken, 27.01.10 } | | { Die pelzigen Pollentaxis, 14.01.10 } | | { Eisbären zum Aussterben verdammt, 04.09.09 } | | { Die Meere kochen, 21.08.09 } | | { Klimawandel im Wald sichtbar, 06.05.09 } | | { Bienenvölker akut bedroht, 30.04.09 } |
Griechische Ökosysteme in Gefahr
Nun geniessen die fast 300 bedrohten Arten der wirbellosen Tiere, also vor allem Schnecken, Spinnen und Käfer unter Nichtzoologen nicht unbedingt grosse Sympathie. Doch bereits bei den ebenfalls betroffenen Schmetterlingen wird zumindest jeder, der einmal im Sommer auf Rhodos das in Europa einmalige berühmte „Tal der Schmetterlinge“ besucht hat, hellhörig werden. Und auch wer Schnecken nur in Knoblauchbutter und Weiswein schätzt, wird sicherlich Panagiota Maragou von der griechischen Sektion der World Wildlife Foundation (WWF) zustimmen: Es steht schlecht um das Ökosystem eines Landes, wenn ein Grossteil seiner Arten bedroht ist.
Mönchsrobbe vom Aussterben bedroht
Zu den am meisten bedrohten Tieren gehören denn auch die Süsswasserfische, von denen 37 Prozent in ihrer Existenz bedroht sind. Dicht darauf folgen die Amphibien, von denen 27 Prozent der untersuchten Arten als bedroht gelistet werden mussten. Ähnlich sieht es bei den Vögeln aus. Von 422 in Griechenland lebenden Vogelarten konnten für 122 Arten ausreichende Daten für eine Einschätzung gesammelt werden. Mit dem Ergebnis, dass leider mehr als die Hälfte, genauer gesagt 62 Arten vor allem der Wasser- und Raubvögel bedroht sind. Und auch die Spitzenreiter der Sympathieskala sind betroffen: Unter den gefährdeten Tieren findet man den Goldschakal (Canis aureus), den Braunbär (Ursus arctos) und gleich mehrere Delphinarten. Die berühmte Mittelmeer-Mönchsrobbe „Monachus Monachus“ ist sogar unmittelbar vom Aussterben bedroht.
Waldbrände vernichten Lebensraum
Bei den Ursachen stehen die Vernichtung von Lebensraum und der gerade für viele nur in stark begrenzten Regionen vorkommenden Tiere notwendigen ökologischen Nischen an erster Stelle. Die starken Waldbrände der letzten Jahre haben tausende Hektar Lebensraum für Rotwild, Schakale und andere Waldtiere vernichtet. Die auf riesige Reviere angewiesenen Bären dagegen fallen vorzugsweise Unfällen auf den ihren Lebensraum zerschneidenden Strassen zum Opfer. Wilderei, Landwirtschaft, Überfischung, Städtebau und die Verschmutzung von Wasser und Grundwasser tragen ebenfalls zur Vernichtung der Arten bei.
Diesen Bedrohungen ist nach Ansicht der Zoologen und Tierschützer nur mit Hilfe der Sensibilisierung der Bevölkerung und gesetzlicher Massnahmen beim Städtebau, der Landwirtschaft und dem Jagdrecht sowie verstärkter Anstrengungen bei Schutzmassnahmen für bedrohte Arten, beispielsweise durch die Einrichtung von Naturschutzgebieten zu begegnen. Gefordert wäre hier das ganze Spektrum der Politik, von überstaatlichen Abkommen, wie beispielsweise beim ebenfalls Arten auslöschenden Klimawandel, über nationale Gesetze bis hin zu regionalen Schutzmassnahmen auf Gemeindeebene.
Bild: Brände am Fusse des Parnitha-Gebirges bei Athen 2007 (Michalis Famelis).
|