Schweizer machen Golf grün

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 23.02.10
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Till StollDer Schweizer Business Council in Dubai hat im Oktober 2009 ein Umweltkomitee gegründet. Es soll die Schweiz am Golf als ein Land mit einer langer Tradition und grosser Kompetenz im Umweltschutz positionieren, sagt Till Stoll. Schweizer Unternehmen können dazu beitragen, die Golfregion sauberer und grüner zu machen, fügt der Präsident des Umweltkomitees hinzu.

Steffen Klatt: Schweizer Unternehmen wollen ein Swiss Village in der Ökostadt Masdar schaffen. Sind Schweizer Unternehmen schon heute im Umweltschutz und bei Cleantech in den Emiraten aktiv?

Till Stoll: Sie sind es. Aber es scheint, dass dies noch nicht genügend im lokalen Markt bekannt ist. Deshalb hat der Swiss Business Council, die offizielle Vertretung Schweizer Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Oktober 2009 ein Umweltkomitee ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, die Schweiz in der Region als ein ökologisch innovatives und fortschrittliches Land zu positionieren. Wir haben festgestellt, dass der lokale Markt Schweizer Unternehmen nicht als Spitzenlieferanten von Cleantechprodukten und –dienstleistungen wahrnimmt.

Steffen Klatt: Was macht das Umweltkomitee?

Till Stoll: In einem ersten Schritt konzentrieren wir uns auf Weiterbildung in Umweltthemen. Jeder in den Vereinigten Arabischen Emiraten will heute „grün“ sein. Das ist grossartig. Aber wir haben festgestellt, dass die meisten Leute gar nicht wirklich wissen, welches die wichtigen ökologischen Themen sind. Wenn man fragt, warum es so wichtig ist, Regenwälder oder saubere Flüsse zu haben, dann erhält man tolle Antworten. Aber sie ergeben oft bei genauerem Hinhören keinen Sinn. Viele wissen nicht, welchen Zusammenhang die Bewässerungsanlage im eigenen Garten mit der Qualität des Wassers im Golf hat. Wir sehen deshalb das grösste Potential darin aufzuzeigen, was „sauber“ und „grün“ überhaupt heisst. Wir wollen zeigen, dass Umweltschutz keine Zauberei ist. Wir wollen dabei mit einfachen Fragen beginnen: Welches sind die Hauptressourcen, die wir täglich verbrauchen. Was ist Kohlendioxidausstoss? Was ist Biodiversität? Warum müssen wir wiederverwerten? Warum erleben wir einen Wassermangel? Bevor Leute nicht wissen, warum sie überhaupt Altpapier sammeln oder Wasser sparen sollen, ist es nicht sinnvoll, ihnen zu sagen, wie sie das tun sollen.

Steffen Klatt: Mit welchen Partnern in den Emiraten arbeiten Sie zusammen?

Till Stoll: Unser Umweltprogramm wird von den beiden Swiss Business Councils in Dubai und Abu Dhabi sowie dem Swiss Business Hub in Dubai getragen. Der Business Hub stellt die direkte Verbindung zu Osec (offizieller Aussenwirtschaftsförderer der Schweiz, stk) dar. Zusammen mit der Unterstützung des Generalkonsulates in Dubai und der Schweizer Botschaft in Abu Dhabi ergibt das eine wirklich Schweizer Initiative. Die Mitglieder der beiden Business Councils sind dabei unsere wichtigsten Partner in verschiedenen Gebieten wie der Entwicklung der Programminhalte, dem Design und der finanziellen Unterstützung für das Weiterbildungsprogramm. Wir haben das Glück, dass es innerhalb der Schweizer Unternehmen in den Emiraten sehr grosse ökologische Kompetenzen gibt. Selbst im Frühstadium unserer Initiative war das Interesse der Mitgliedsunternehmen sehr gross. Diese aktive Unterstützung wird unsere Initiative prägen und uns allen nutzen.

Steffen Klatt: Beschränkt sich das Umweltkomitee auf die Emirate?

Till Stoll: Nein, überhaupt nicht. Die Länder der Region sind sich in vielen Aspekten ziemlich ähnlich. Sie sprechen nicht nur die gleiche Sprache, sondern setzen sich mit ähnlichen ökologischen Problemen auseinander. Ausserdem ist der Swiss Business Hub in Dubai für alle Golfstaaten (Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, stk) verantwortlich. Wir haben uns mit verschiedenen staatlichen Organisationen in den Emiraten getroffen, die eine Ausweitung der Initiative auf die ganze Region begrüssen würden. Als wir die Initiative Anfangs Jahr in Saudi Arabien vorstellten, stiessen wir auf sehr positives Echo. Eine Organisation, die 420 Städte im Nahen und Mittleren Osten vertritt, ist sehr daran interessiert, sich an unserer Initiative zu beteiligen. Deshalb bin ich überzeugt, dass unsere Initiative ein grosses Potential hat, Schweizer Wissen und Erfahrungen im Umweltschutz im ganzen Nahen und Mittleren Osten zu positionieren.

Steffen Klatt: Was haben Schweizer Unternehmen der Region zu bieten?

Till Stoll: Wenn wir es schaffen, die Schweiz als ein innovativer Platz für den Umweltschutz zu positionieren, schafft das eine Reputation, die wichtig ist für Schweizer Unternehmen. Das ist besonders für Cleantechunternehmen in der Schweiz selbst interessant. Denn wenn man sich das Cleantechgeschäft am Golf anschaut, dann sieht man, dass oft deutsche Unternehmen die Aufträge gewinnen. Warum? Weil sie ihren traditionell guten Ruf im Ingenieurbereich auf den Cleantechsektor übertragen konnten. Kaum jemand in der Golfregion dagegen weiss etwas über Dienstleistungen oder Produkte von Schweizer Cleantechunternehmen. Osec hat im Oktober 2009 eine Cleantech-Exportplattform gestartet. Doch wenn die Schweiz erfolgreich exportieren will, dann muss in den Zielmärkten bekannt sein, dass die Schweiz zu den Spitzenreitern im Umweltschutz gehört und unsere Unternehmen beste Qualität liefern. Das ist der Hauptgrund für unsere Initiative.

Steffen Klatt: Sie bieten als Unternehmer mit ihrer Firma Green Destinations in den Vereinigten Arabischen Emiraten an, Gebäude nachhaltig zu planen und zu gestalten. Wie können Gebäude am Golf ressourceneffizienter gemacht werden?

Till Stoll: Ein Angestellter der Stadtverwaltung in Dubai hat mir einmal ganz stolz erzählt, dass sie ein grünes Dach auf ihr Gebäude gesetzt haben. Endlich hätten auch sie ein „grünes Gebäude“. Das zeigt, dass wir beim ökologischen Bauen in den Emiraten noch ganz am Anfang stehen. Um Gebäude in den Emiraten effizienter zu machen, müssen sie genügend isoliert werden. Als wir vor vier Jahren begonnen haben, war Green Destinations der erste grüne Immobilienentwickler in der Region. Ein grosser Teil unserer Arbeit bestand darin, unsere Kunden zu überzeugen, in höhere Qualität zu investieren. Isolierung und nachhaltige Bautechnologien gehörten dazu. Zu Beginn war es schwierig. Aber inzwischen erhalten wir Aufträge aus der ganzen Golfregion und zunehmend auch in Afrika durch unser neues Büro in Johannesburg. Der Wandel in den Köpfen hat begonnen. Die Kunden beginnen den Nutzen von wirklich nachhaltigem Bauen zu verstehen.

 

Zur Person:

Der Schweizer Till Stoll hat vor über vier Jahren das Bauunternehmen Green Destinations in Dubai gegründet. Er hat an der britischen Universität Oxford studiert und später an der Harvard-Universität doziert. Ressourcenfragen haben ihn während seiner Doktorarbeit beschäftigt. Er war im Anschluss daran beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und bei der Weltbank tätig. Stoll ist Chairman des Environmental Committee im Swiss Business Council in Dubai und offizieller Experte der Osec für Cleantech und nachhaltiges Bauen.

 

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