Von der aufstrebenden E-Mobilität werden viele selbsternannte Klimaretter profitieren - nur nicht das Klima.
Gerade haben wir mit freundlicher Unterstützung des Steuerzahlers alle Schrottautos an den Konsumnachwuchs in den Balkanländern verscherbelt (bei gutem Wind, bleibt hoffentlich der Feinstaub auch dort).
Jetzt wird in der EU und natürlich auch in Österreich, die E-Mobilität - das Elektroauto - als Allheilmittel gegen den drohenden Klimawandel mit allen Mitteln in den Köpfen der Konsumenten verankert. Die älteren Generationen werden sich noch an den kultigen EV 1 von GM erinnern, eines der ersten Elektroautos, die auf Druck der vom schlechten Klima geplagten Kalifornischen Regierung (California Clean Act) schon 1996 gebaut werden mussten. Allerdings war damals mit der grünen Kiste noch keine Kohle zu machen. Daher landeten alle - vorsorglich nur vermieteten - 1000 Stück E-Autos kaum gebraucht, nach der Aufhebung des Gesetzes sofort wieder im Schredder. Diesmal wird es zumindest für die E-Wirtschaft ein Jahrhundert-Erfolg! Eigentlich wundert es mich, dass die E-Wirtschaft noch nicht Werbekampagnen durchführt, wie wir es bei den Mobilfunkanbietern längst gewohnt sind: "...bei einer 24-Monatsbindung bekommen Sie bei uns ein E-Auto um 0 Euro. Wenn Sie einen E-BMW möchten, zahlen Sie nur 49 Euro exkl. Aktivierungsgebühr." Verwandte Themen| { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Die Steckdose lernt fahren, 21.01.10 } | | { Aufbruch zur Autorevolution, 08.11.09 } | | { Autobauer haben Nachholbedarf, 30.10.09 } | | { Berlin fährt auf E-Mobil ab, 20.08.09 } | | { Mit Strom aus der Krise , 12.08.09 } | | { Abgabe nicht senken, 23.07.09 } | | { Öko-Nutzen umstritten, 12.05.09 } | | { Geld für grünen Verkehr , 17.04.09 } | | { Das Stromauto zum Mitnehmen, 03.03.09 } |
Natürlich kann man mit dem 0,00 Euro-Auto dann auch nur beim jeweiligen E-Anbieter "tanken". Beim Wechsel zu einem anderen Anbieter, muss das Tarif-E-Auto gebührenpflichtig frei geschaltet werden. Im Paketangebot ist obligatorisch eine Vertragswerkstätte inkludiert, die für den regelmässigen Service sorgt. In der Werbung könnte auch noch darüber informiert werden, welcher E-Anbieter über das dichteste Tankstellennetz verfügt und wer den günstigsten (Atom)Stromtarif hat. Roaming-Gebühren sind keine zu zahlen, denn der Strom kommt ja überall aus der Steckdose. Bei der Anmeldung von "Plug-in-Modellen" entfällt die Anmeldegebühr. Der Kunde ist natürlich König und darf sich das für ihn beste Angebot immer selber aussuchen. Anders als bei den Mobilfunkanbietern, muss die E-Wirtschaft sich nicht selber um die Errichtung der Infrastruktur kümmern. Für die "nachhaltige" Finanzierung der E-Mobilität sorgt schon fleissig der Steuerzahler. 10 Mio. Euro zahlt heuer allein das Wirtschaftsministerium in Österreich für den Strom im Autotank. Gar nicht lumpen lässt sich der deutsche Steuerzahler. Er hat sogar 500 Mio Euro für den nationalen Entwicklungsplan bereit gestellt. Immerhin wollen die Deutschen bis 2020 eine Mio. (!) Stromautos auf die Strasse bringen. Gegen die Pläne Chinas ( 9 Mio. Elektroautos bis 2025 ) ist auch das noch bescheiden. Das Wettrennen, wer schneller mit der Serienfertigung starten wird, ist mit normalem Hausverstand nicht mehr begreiflich. Bis zu 7.500 Euro Förderung pro PKW und Gratisparkplatz werden geboten! Da waren die paar Euro für die Schrottautos eine milde Gabe. Sogar "Leihtankstellen" kann man schon nützen (das gibt es bei den Mobilfunkern auch noch nicht). Jeder Bürgermeister wird zum "Trendsetter" und überall spriessen "Modellregionen" aus dem Strassenbelag. 2010 soll bereits jeder dritte Vorarlberger Zugang zur Elektromobilität haben. Wenn die entsprechende Netzdichte vorhanden ist und genug Autofahrer umgestiegen sind, wird man natürlich drauf kommen, dass der enorme Zuwachs an Stromverbrauch leider nur mit der Atomenergie zu bewältigen ist. Aber das macht ja nichts - wichtig ist "Zero-Emissionen" in der eigenen Garage. Der Reaktor steht eh weit weg in Frankreich. Was aber sagt das grüne Lager in Österreich zu diesem Thema? "Wir bauchen stärkere Investitionen für Elektroautos und weitere Projekte wie die Modellregion für Elektromobilität in Vorarlberg" (welcher Strom von Baden-Württemberg in die Vorarlberger "Modellregion" fliesst, wird durchaus schon jetzt kontroversiell diskutiert ). Eine ähnliche Förderallianz für den öffentlichen Verkehr und für den Ausbau erneuerbarer Energien, wäre ein Geschenk wie Weihnachten und Ostern zusammen. Damit kein Missverständnis entsteht, ausser vielleicht ein paar Formel I-Piloten, ist wohl jeder Mensch für eine klimaschonende Mobilität. Ich habe aber das ungute Gefühl, dass gerade beim Elektroauto mit tatkräftiger grüner Unterstützung Rosstäuscherei betrieben und an der Fortsetzung des Klimadesasters gebastelt wird. Eine Frage beschäftigt mich sehr: der Aktien- und Fondsmarkt für Anbieter aus der E-Mobilität klingt ja sehr verlockend und wächst schneller als ein Porsche von 0 auf 100 kommt. Eine wesentliche Hürde zur vollen E-Mobilität, sind leistungsfähige Akkus. Ohne Batterie geht gar nichts. Deshalb haben Batteriefirmen einen Grossteil des Portfolios inne. Nur blöd, für die Batterieproduktion in so astronomischen Höhen, braucht man auch sehr viel Rohstoff. Rohstoff, wie zum Beispiel Cobald, das schon jetzt unter abenteuerlichen Bedingungen in Ländern gewonnen wird, wo es trotz Rohstoffreichtum schwerste gesellschaftliche Verwerfungen gibt. Wenn ich mir jetzt also solche Aktien "aufladen" will, bin ich dann ein Atomstrombefürworter oder unterstütze ich tausende Kinderarbeiter die beim Cobaldabbau starken Gesundheitsschäden ausgeliefert sind? Aber, vielleicht ist das ja auch alles nur eine Frage von allgemeiner Umweltbildung. Peter Baumgartner ist Betriebsleiter bei einer Passagierschifffahrt. Er bemüht mich um den Einsatz der Solarenergie auf Schiffen. Unter dem Titel NassPress schreibt er meist für Fachzeitschriften zum Thema Binnenschifffahrt, Tourismus und Mobilität. Weitere Informationen: Peter Baumgartner Telefon: +43 (0) 664 263 43 62 Email:
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