Washington jagt Mustangs

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 11.01.10
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Noch rund 37000 Pferde leben wild im weiten Westen der USA. Das sei mehr, als die Region ertrage, sagen die Bundesbehörden. Seite Ende 2009 lassen sie Tausende Pferde einfangen. Tierschützer fürchten, dass sie getötet werden.

Seit Ende Dezember fliegen die Pferdetreiber wieder. Mit Hubschraubern kommen sie, um wilde Mustangs und „Burros“ – kleine Esel – zusammenzutreiben. Die Tiere werden markiert, bevor sie zur Adoption verladen werden. Zwei Monate soll die Aktion dauern. Mindestens 2500 Tiere sollen eingefangen werden.

Alle vier Jahre verdoppelt

Rund 37000 wilde Pferde leben in den Weiten der Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah und Wyoming. Das seien zu viele, sagen die Bundesbehörden in Washington. Die Region könne nur 26000 Tiere ernähren. „Wenn die Regierung nicht einen Teil der Tiere einfangen lässt, dann werden sie an Krankheiten oder Hunger zugrunde gehen“, sagt Tom Gorey, Sprecher des Büros für Landverwaltung. Die Behörde verwaltet rund eine Million Quadratkilometer öffentlichen Landes, ein Achtel der Fläche der USA. „Die Grösse der Herde verdoppelt sich alle vier Jahre“, sagt Gorey. Es sei unmöglich, sie unbegrenzt weiterwachsen zu lassen.

 

Das amerikanische Erbe in Gefahr

Kritiker sehen den amerikanischen Geist selbst in Gefahr. „Die Situation ist unpatriotisch“, sagt Deanne Stillman, Autorin von „Mustang: The Saga of the Wild Horse in the American West“. „Was repräsentiert unsere Freiheit mehr als die wilden Pferde?“, fragt sie. „Wir sind ein Land, dass in Reitstiefeln geboren worden ist.“ Die meisten Amerikaner verabscheuten es, das eigene Erbe so zu zerstören.

Tierschützer kritisieren die Folgen für die Tiere selbst. „Es ist brutal, egal, wie sie es machen“, sagt Elyse Gardner, eine kalifornische Tierschutzaktivistin. „Beine werden gebrochen, Tiere werden krank, Fohlen verlieren ihre Mutter.“ Suzanne Roy, Sprecherin der kalifornischen Tierschutzorganisation „Defense of Animals“, kündigte an, juristisch gegen die Bundesbehörden vorzugehen. „Die Jagd auf die Pferde zerstört die Herde und auch diejenigen Pferde, die zurückbleiben.“

Immer mehr Pferde in Staatsfürsorge

Das Büro für Landverwaltung betreut bereits heute 34000 Tiere. Das kostet 50 Millionen Dollar (35 Millionen Euro/52 Millionen Franken) im Jahr. Im Haushaltsjahr 2008/2009 fing es 6500 wilde Tiere ein. Nur 3500 Pferde wurden von privaten Interessenten adoptiert. 2005 waren es noch 5700 Tiere. Im laufenden Haushaltsjahr dürften noch mehr wilde Tiere eingefangen werden. Doch wegen der Krise dürfte die Zahl der Adoptionen niedrig bleiben. Die Kosten für die staatliche Behörde werden also steigen.

Nach geltendem Recht dürfen die Pferde nicht geschlachtet werden. Doch bereits US-Präsident George W. Bush bemühte sich um ein Gesetz, nach dem die Pferde getötet werden dürfen. Starke Kritik zwang das Weisse Haus, den Vorschlag wieder zurück zu ziehen. Nun fürchten viele Tierschützer, dass Bushs Nachfolger Barack Obama die Vorlage wieder aus der Schublade ziehen könnte. „Wir sind sehr enttäuscht, dass diese Jagd auf die Tiere unter der Obama-Administration stattfindet“, sagt Suzanne Roy.

Symbol für Nevada

Ihre Organisation veranstaltete eine kleine Demonstration vor den Toren von Las Vegas, um ankommende Touristen auf die Treibjagd aufmerksam zu machen. Sie protestierte auch in San Francisco vor dem Büro der demokratischen US-Senatorin Dianne Feinstein. Doch im Senat ist das Mitgefühl für die Pferde klein. Die Regierung habe keine andere Wahl, als die Tiere einzufangen, sagt Harry Reid, Senator für Nevada und Chef der Demokraten in der kleinen Kammer. Das Büro für Landverwaltung habe sich viele Jahre zu wenig um die wildlebenden Herden gekümmert.

Vor einigen Jahren durfte Nevada ein Motiv für die 25-Centmünze auswählen. Der Staat wählte drei galoppierende Hengste aus.

 

Bild: Büro für Landverwaltung.

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