Energie nur noch aus der Region

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Vaduz 03.12.09
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Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien rückt in der Region Bodensee-Alpenrhein in greifbare Nähe. Fünf Hochschulen dreier Länder erarbeiten gemeinsam hierfür Konzepte, die im besten Fall Exportschlager werden. Die EU unterstützt das Vorhaben.

Sie übertreten gleich drei gesetzte Grenzen gleichzeitig: diejenigen zwischen den Forschungsdisziplinen, zwischen unterschiedlichen Hochschulen und sogar zwischen drei Staaten. Für das Projekt Bodensee-Alpenrhein-Energieregion, kurz BAER, haben sich  Wissenschaftler aus fünf Hochschulen der Region Bodensee-Alpenrhein zusammengetan, um die Nutzung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Mit dabei sind die Hochschulstandorte Vaduz, Winterthur, St. Gallen, Rapperswil und Konstanz. Letztlich können ihre Lösungen dazu beitragen, die Klima- und Energieriesiken des Grossraums Bodensee zu vermindern. Und die Politik steht hinter ihnen. Martin Meyer, stellvertretender Regierungschef und Wirtschaftsminister von Liechtenstein: „Globale Probleme können nur grenzüberschreitend gelöst werden. Liechtenstein selbst hat sich die Vision gegeben, in naher Zukunft zu hundert Prozent erneuerbare Energien zu verbrauchen.“ Dieser Pragmatismus und Kooperationswille lässt angesichts des Klimagipfels in Kopenhagen Hoffnung aufkeimen.

Leuchtturmprojekt der IBH

Denn es geht auch nicht nur um die künftige Entwicklung der eigenen Region. Den Modellcharakter betont der Leiter des Projektes, Peter Droege von der Hochschule Liechtenstein: „Lassen sich die Herausforderungen an die Energieversorgung hier in der Region lösen, sind die Konzepte auf alle Industrienationen übertragbar.“ Bei dieser geballten Ladung Kooperationsdenken ist internationale Förderung nicht weit. Und richtig: BEAR ist das neue Leuchtturm-Projekt der Internationalen Bodenseehochschule (IBH), die 27 Hochschulen aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz umfasst. In diesem Rahmen stellt das Regionalprogramm der Europäischen Union Interreg IV Fördermittel zur Verfügung.  

Antworten auf drängende Fragen

Gut investiertes Geld, denn der Abschied von fossilen Brennstoffen ist laut Droege unvermeidlich. Als führender Kopf der Erforschung urbaner Nachhaltigkeit sieht er die Faktenlage nur mehr als Ansporn, die Wissenschaft voranzutreiben: „Der Verbrauch fossiler Brennstoffe hat sich seit 1950 verfünffacht und wird sich angesichts der Verstädterung noch weiter steigern.“ Und wenn wir nicht umdenken, wird die Endlichkeit der Reserven und die Klimaproblematik uns dazu zwingen.

Doch noch ist eine Umkehr für viele immer noch zu wenig konkret. Wie kann Mobilität auf Basis erneuerbarer Energien funktionieren? Um wieviel effizienter kann jeder in seinem Haushalt mit Energie umgehen? Wie können Häuser und Siedlungen neu konzipiert werden, sodass Energie selbst produziert und auch in Netze eingespeist wird? Welche räumliche Verteilung ist hierfür sinnvoll? Und nicht zuletzt: Was sind die Menschen bereit, auf sich zu nehmen, um diesen Weg zu gehen? Diese Fragen werden die renommierten Forscher gemeinsam bearbeiten, denn eine Antwort liegt in der Schnittmenge einer nächsten.

Forschungskraft über drei Jahre

Um erneuerbare Mobilität werden sich Franz Baumgartner und sein Team von der ZHAW Winterthur kümmern. Susanne Kytzia und Team bearbeiten Fragen der Effizienz an der Hochschule Rapperswil. Erneuerbaren Energien in Siedlungsräumen gehen Architekt Thomas Stark mit Kollegen der HTWG Konstanz nach. Droege selbst leitet an der Hochschule Liechtenstein den Forschungsteil bezüglich klimaunempfindlicher Raumentwicklung. Und an der Universität St. Gallen bearbeitet Rolf Wüstenhagen mit seinem Institut das Marktverhalten hinsichtlich erneuerbarer Energien. Über drei Jahre hinweg wird alle zwei Monate zusammengetragen, was die jeweiligen Disziplinen zu bieten haben. Am Ende des ersten Jahres soll ein Energie- und Klimaatlas für das Bodensee-Alpenrheintal-Gebiet stehen.

Kooperation mit der Gesellschaft

Dass Forschung in diesem Falle wenig mit Elfenbeinturmdenken zu tun hat, beweist allein die Existenz des Projekts. Doch auch bei der Durchführung geht es den Wissenschaftlern um ständigen Austausch mit den bereits bestehenden Initiativen – ob organisiert durch die jeweiligen Staaten oder mitten aus der Gesellschaft entsprungen.

Droege selbst hat die Hoffnung, dass der Vatikan mit seiner Ankündigung, klimaneutral zu werden, durch Liechtenstein überholt werden könnte. Doch eigentlich geht es nicht um das Wettrennen der Staaten, sondern um einen Geist, über die Landesgrenzen hinweg an einem Strang zu ziehen. Deshalb werden die Wissenschaftler nicht versuchen, das Rad neu zu erfinden, sondern auf Erfahrungen aus erfolgreichen Energieprojekten der ganzen Welt aufbauen. Vaduz kooperiert mit einer chinesischen Universität, die ausgefallene Ideen in die Tat umgesetzt hat, man kommuniziert mit deutschen oder österreichischen Gemeindeverbünden, die bereits Beispielhaftes erreicht haben. Bald können sie vielleicht vom Bodensee abschauen. Noch häufigere Grenzübertretungen sind unbedingt gewollt.

 

Bild: Das BAER-Team mit dem stellvertretenden Regierungschef und Wirtschaftsminister von Liechtenstein, Martin Meyer (3. von rechts) bei der öffentlichen Präsentation des Projektes an der Hochschule Liechtenstein in Vaduz am 2. Dezember.
Vlnr: Stephan Prehn (Geschäftsleiter Internationale Bodensee Hochschule); Rolf Wüstenhagen (Universität St. Gallen); Thomas Stark (HTWG Konstanz); Susanne Kytzia (Hochschule Rapperswil); Projektleiter Peter Droege (Hochschule Liechtenstein); Martin Meyer (Wirtschaftsminister Liechtenstein); Franz Baumgartner (ZHAW Winterthur); Hans-Martin Neumann (Hochschule Liechtenstein). (Yvonne von Hunnius)

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Simon Tribelhorn
«Der Klima­wandel ist eine Tat­sache und stellt eine der zen­tra­len He­raus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts dar. Klima­schutz geht uns alle an und es gilt jetzt zu han­deln. Ge­fragt sind neue, krea­tive Ideen und Inno­vationen. Netz­werke und das Zu­sammen­wir­ken von Wirt­schaft, Wissen­schaft und Po­li­tik sind hier­für un­ab­ding­bar, und zwar über die Lan­des­gren­zen hinaus. Die In­for­ma­tions- und Wis­sens­platt­form nach­hal­tig­keit.org leis­tet dazu einen wich­tigen Bei­trag.»
Simon Tribelhorn,
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