Auch bei Cleantech zählt Qualität

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 18.11.09
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Roger Ammoun, Credit SuisseNachhaltige Anlagen sind keine Modeerscheinung. Im Gegenteil: Sie haben Zukunft. Roger Ammoun, Cleantech-Spezialist der Credit Suisse, glaubt, dass die Krise auch durchaus positive Folgen für den Cleantech-Markt gehabt hat. In der Schweiz hat sein Fonds bisher noch kein Unternehmen gefunden, dass den Investitionskriterien entspricht.

Yvonne von Hunnius: Ist es sinnvoll, nur aus finanziellen Gründen in nachhaltige Anlagen zu investieren?

Roger Ammoun: Zu unseren Kunden gehören neben staatlichen und privaten Pensionskassen auch Grosskonzerne. Sie investieren in Cleantech, weil diese Anlagen nachhaltig sind und ihrem sozialen Engagement entsprechen, aber auch wegen der Rendite. Als Cleantech vor fünf Jahren zu einer eigenen Anlageklasse wurden, war für viele Anleger der Aspekt der Nachhaltigkeit massgebend. Aber das reichte nicht aus, um sie zu einer der grössten heutigen Anlageklassen zu machen. Finanzinvestoren begannen sich für sie zu interessieren, als sie feststellten, dass diese Anlagen auch gute Renditen abwarfen und nicht nur ihr Bedürfnis nach Nachhaltigkeit und sozialem Engagement befriedigten.

Yvonne von Hunnius: Wieso beschleunigte sich 2004 plötzlich diese Entwicklung?

Roger Ammoun: Als Bank boten wir bereits seit langem Anlagen in erneuerbare Energien an, doch der Wendepunkt trat ein, als der Klimawandel für die breite Öffentlichkeit zum Thema wurde. Das war etwa zu dem Zeitpunkt, als der «Stern-Report» veröffentlicht wurde. Die Folge war, dass plötzlich die Regierungen der Nachhaltigkeit ein sehr starkes Gewicht beimassen. Mit den richtigen Anreizen und den entsprechenden Rahmenbedingungen ebneten die europäischen Staaten den Weg für die Schaffung eines interessanten Marktes. Seither sind die USA und andere Industrie- oder Schwellenländer ebenfalls auf diesen Zug aufgesprungen. Dies verhalf dem Markt trotz der Krise zu einem enormen Wachstumsschub.

Yvonne von Hunnius: Wie stark hat sich die Krise eigentlich ausgewirkt?

Roger Ammoun: Ihre Folgen waren natürlich negativ, insbesondere was Risikokapital betraf. Allerdings sorgte die Krise auch dafür, dass die Goldgräberstimmung im Markt und seine Überhitzung stark nachliessen. Das Geschehen ist durchaus mit der Internetblase vergleichbar. Zwischen 2006 und 2008 platzierten viele Anleger hier Geld, ohne sich um die Fundamentaldaten der Unternehmen zu kümmern. Oft wurde so eine Menge Kapital in Firmen gesteckt, die nie wettbewerbsfähig geworden oder langfristig überhaupt lebensfähig gewesen wären. Aber die leichte Verfügbarkeit von Kapital verschleierte die langfristig unterdurchschnittlichen Ergebnisse vieler dieser neuen Technologien und Firmen. Heute sind wir wieder in einem Stadium, wo Anleger auf die Fundamentaldaten achten und sich auf kurz- oder mittelfristig erfolgreiche Anlagen konzentrieren, die auch tatsächlich gute Renditen versprechen.

Yvonne von Hunnius: So war die Krise letztlich eine gute Sache?

Roger Ammoun: Das kommt ganz auf die Perspektive an. Einerseits verringerte sich durch sie das für derartige Anlagen verfügbare Kapital beträchtlich, andererseits werden für Projekte mit guten Erfolgsaussichten noch immer Mittel bereitgestellt. In einem normalen Jahr suchen etwa 500 bis 600 Unternehmen nach Kapitalgebern. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 400 derartige Transaktionen abgewickelt. Dafür ist die Qualität der Projekte aber wesentlich besser, da inzwischen viel realistischer eingeschätzt wird, was überhaupt machbar ist. Die Krise hat dafür gesorgt, dass diese Anlagen bereits in diesem oder aber dem nächsten Jahr ausgezeichnete Renditen erwirtschaften. In der CFIG verwalten wir Gelder mit einem Volumen von 24,5 Milliarden Dollar. Allein in Cleantech und erneuerbare Energien haben wir mehr als eine Milliarde Dollar angelegt. Daran hat auch die Krise nichts geändert. Zahlreiche Pensionskassen und Grossunternehmen begannen sich insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2009 erneut für diese Anlageklasse zu interessieren.

Yvonne von Hunnius: Welche Branchen weisen das grösste Wachstum auf?

Roger Ammoun: Die ältesten und stabilsten. Die Windkraftbranche ist die grösste. 2008 wurden hier weltweit erstmals mehr als 51,4 Milliarden Dollar umgesetzt. Auch Solarenergie wird stark nachgefragt. Beide Branchen sind bereits gut etabliert. Sie benötigen aber trotzdem weiterhin staatliche Anreize und auch Mittel von Banken, um ihr Wachstum fortsetzen zu können. Geothermie, Biokraftstoffe und Energieeinsparung sind ebenfalls sehr interessant. Es gibt heute zwar eine Menge staatlicher Subventionen, aber dadurch haben die genannten Branchen mittelfristig, das heisst in den nächsten vier bis fünf Jahren, auch eine Chance im Wettbewerb mit dem klassischen Energiesektor.

Yvonne von Hunnius: Braucht die Branche noch immer diese speziellen Anreize?

Roger Ammoun: Ja, sie braucht Anreize und Subventionen, da die neuen Technologien entwicklungsmässig noch einen weiten Weg vor sich haben. Durch die Subventionen können bereits kurzfristig Gewinne eingefahren werden. Darüber hinaus werden durch sie aber auch risikoreichere Technologien gefördert, und diese erreichen so in fünf bis sechs Jahren ein Volumen, das sie wettbewerbsfähig macht.

Insbesondere nach der Krise musste hier jemand einspringen, da die Banken keine Mittel mehr bereitstellten. Sobald aber die Länder die Krise hinter sich gelassen haben, werden auch die Privatanleger wieder als Investoren bereitstehen. So gibt es bereits wieder Banken, die guten Projekten Kapital zur Verfügung stellen. Auch die CFIG hat Kapital in einen der grössten Windparkbetreiber in den USA gesteckt, der seit 2004 fast 2000 Megawatt an Kapazität aufbaute. Wir waren bereit dort zu investieren, da er einen überzeugenden Businessplan, ein gutes Management und beträchtliches Wachstumspotenzial im amerikanischen Markt für Windkraftanlagen hat.

Yvonne von Hunnius: Welche Regionen haben denn heute das meiste Potenzial?

Roger Ammoun: Interessante Objekte gibt es überall auf der Welt. In Europa sind Windkraft- und Solaranlagen dank der staatlichen Anreize und der guten Verfügbarkeit von Privatkapital bereits stark entwickelt. Der Markt für Windkraftanlagen in den USA ist enorm, aber noch nicht so weit wie in Europa. Langfristig werden die grössten Märkte aber China und das übrige Asien sein. Dabei hat China gegenüber Indien die Nase vorn, da die chinesische Regierung hier wesentlich mehr Mittel investiert und dort auch die Energienachfrage am stärksten wächst.

China hat Anreize für die Entwicklung grüner Technologien in Höhe von 68 Milliarden Dollar angekündigt. Das ist der weltweit höchste bisher in diesem Bereich investierte Betrag. Die USA haben etwa 66 Milliarden eingeplant. Und in Europa geht es um 20 bis 30 Milliarden Dollar an Fördermitteln.

Yvonne von Hunnius: Wie können europäische KMU denn von den Vorhaben und Subvention profitieren?

Roger Ammoun: Für europäische Technologien bestehen in den Schwellenländern enorme Möglichkeiten. Die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien stammen hauptsächlich aus Europa sowie aus Kanada und den USA. Einige der Länder mit der grössten Nachfrage sind hingegen Schwellenländer. Dank staatlicher Anreize und durch Grossprojekte wurde das Angebot für die Konsumenten stark verbessert.

Yvonne von Hunnius: Auf Ihrer Anlageliste befindet sich keine einzige Schweizer Firma. Warum nicht?

Roger Ammoun: Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten, auch unter Schweizer Firmen. Das Problem besteht darin, das passende Unternehmen mit dem optimalen Entwicklungsstand zu finden. Wir investieren in die von unseren Kunden gewünschten Bereiche. Dabei handelt es sich um Direktinvestitionen in Unternehmen, aber auch um Beteiligungen an Fonds, die in derartige Unternehmen investieren. Aber wir halten immer die Augen offen!


Zur Person

Der Libanese Roger Ammoun ist Cleantech-Spezialist bei der Customized Fund Investment Group (CFIG) der Credit Suisse in London. An der Cleantech-Veranstaltung von Osec, die am 20. Oktober unter dem Titel "Cleantech – Der Antrieb des 21. Jahrhunderts!" in Bern stattgefunden hat, hielt Roger Ammoun einen Vortrag über Cleantech-Anlagen der CFIG. Osec ist der offizielle Schweizer Aussenwirtschaftsförderer. Die Credit Suisse ist strategischer Partner von Osec. Das Interview ist zuerst in InFocus erschienen, dem Online-Magazin der Credit Suisse.


 

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