Berlin fährt auf E-Mobil ab

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 20.08.09
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Die deutsche Regierung will die Bundesrepublik zu einem „Leitmarkt” der Elektromobilität machen. Das sieht ein Aktionsplan vor, den die Große Koalition fünfeinhalb Wochen vor der Bundestagswahl beschlossen hat.

Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel beschwört herrliche Zeiten herauf. Elektroautos werden nach Ansicht des Sozialdemokraten nicht nur helfen, „unsere Innenstädte sauberer zu machen”. Ein Käufer werde mit der neuen Technologie auch erreichen, dass sich seine Spritkosten auf 100 Kilometern halbieren würden. Es gehe bei der Förderung der Elektromobilität neben dem Klimaeffekt also auch darum, „Autofahren für Autofahrer erschwinglicher zu machen”.

„Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität”

Auch der gewichtigere Koalitionspartner CDU/CSU hat - zumal im Wahlkampf - nichts gegen Beschlüsse einzuwenden, die nach Sauberkeit und Ökologie duften. Das deutsche Kabinett hat also am Mittwoch den „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität” beschlossen. So will die Bundesregierung erreichen, dass im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Strassen verkehren. Tagsüber sollen sie mit Strom aus erneuerbaren Energieträgern betrieben werden, nachts den überflüssigen Strom der Großkraftwerke speichern.

„Wichtiges Signal”

Um die nötige Technologie und die Infrastruktur zu entwickeln, will die Regierung in Berlin 500 Millionen Euro (knapp 760 Millionen Franken) zur Verfügung stellen. Die Markteinführung für die ersten 100.000 E-Fahrzeuge soll 2012 mit Kaufhilfen für die Autofahrer gestützt werden. Zur Höhe der Beträge und der Form der Unterstützung wurde nichts Konkretes beschlossen.

Dennoch sprach Forschungsministerin Annette Schavan, die im Kabinett die Farben der Unionsparteien vertritt, von einem „wichtigen Signal zur richtigen Zeit - an die Forschung, an die Wirtschaft, aber auch an die künftigen Käufer”. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) träumt sogar davon, dass ein Modellversuch in acht Regionen zur Einbindung der Elektrofahrzeuge in die bestehende Infrastruktur dazu führt, dass die zukünftig europaweit angewandten Standards auf diesem Gebiet aus Deutschland kommen.

Noch ein weiter Weg

Natürlich wissen auch die Koalitionspolitiker in Berlin, dass die Durchsetzung der umweltfreundlichen Kraftfahrzeug-Technologie nicht eine Frage der nächsten Monate ist. Das Elektroauto werde erst 2011/2012 den Massenmarkt erreichen, räumt Umweltminister Gabriel ein. „Wir müssen das Auto neu denken”, verlangt gar Forschungsministerin Schavan. Zwei Forschungskomplexe müssen aus Sicht der CDU-Politikerin besonders gefördert werden. Die Batterien, die bisher zu schwer, zu platzraubend und zu teuer sind, müssen deutlich kleiner und billiger werden. Zudem müssten Energieeffizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Elektroautos weiterentwickelt werden.

Die Umweltverbände wittern denn auch hinter der Regierungsinitiative kurz vor Ende der Legislaturperiode viel heiße Luft. Skeptiker geben Jürgen Trittin von den oppositionellen Grünen Recht. Der Vorgänger Gabriels als Bundesumweltminister hat der Koalition vorgeworfen, sie habe mit ihrer Abwrackprämie das Elektroauto gekillt. Man habe „den Markt gerade kaputtgemacht”, weil das Konsumentengeld, mit dem Elektromobile gekauft werden könnten, nun ausgegeben worden sei.

Abwrackprämie kontraproduktiv

Auch die parteienunabhängigen Verbände stoßen sich daran, dass Berlin gerade die Anschaffung von 1,2 Millionen Benzin- und Dieselfahrzeuge ohne jegliche ökologische Vorbedingung mit jeweils 2.500 Euro gefördert hat. Wenn die Regierung für 2020 eine Million Elektro-Autos anstrebe, stünden diesen immerhin 50 Millionen Autos mit Benzin- und Dieselantrieb gegenüber, warnte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) vor einseitiger Förderung. Und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) moniert, dass „die Bundesregierung auf jegliche Anreize für die anderen 98 Prozent der Autos” verzichte. „Die Förderung einer Nischentechnologie bei gleichzeitigem Verzicht auf jegliche Kaufanreize für spritsparende und gleichzeitig saubere teilelektrifizierte Fahrzeuge ist falsch”, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

 

Bild: Bereits auf der letzten IAA begutachtete Bundeskanzerlin Angela Merkel den Prototypen eines Hybrid-Autos von Opel. (General Motors)

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