Gewinne mit gutem Gewissen

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Geschrieben von: Anna Birkenmeier, Zürich 23.07.09
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Durch Mikrokredite finanzieren Kleinanleger auch von der Schweiz aus eine neue Nähmaschine oder einen Marktstand in Entwicklungsländern. Da diese Fonds vom Aktienmarkt losgelöst sind, werden sie attraktiv. Und gutes Gewissen gibt es gratis dazu.  Viele gesicherte Existenzen schaffen stabile Gesellschaften. Der Entwicklungspolitik-Experte Philipp Aerni von der ETH Zürich sagt: „Entwicklungsländern sollte nicht einfach Geld zur Verfügung gestellt werden, vielmehr muss den Bewohnern geholfen werden, ihre Geschäftsideen zu verwirklichen.“ Zu diesem Zweck werden jährlich Millionen von Kleinstkrediten durch spezialisierte Mirkofinanz-Institute zur Verfügung gestellt. Auch Schweizer Institutionen sind dabei.

Rückzahlungsquote bei 97 Prozent

Mikrofinanz-Institute sind lokal verankerte Organisationen in Entwicklungsländern, die Finanzdienstleistungen für Kleinunternehmer anbieten. So wird etwa der Schneiderin aus Bolivien ein Kredit von Durchschnittlich 20 bis 1500 Dollar für eine Nähmaschine geliehen. Bei einem herkömmlichen Finanzinstitut hätte sie keine Chancen auf einen Kredit, da sie weder Bankkonto noch sonstige Sicherheiten besitzt. Die Mikrokredit-Institute haben andere Wege gefunden, ihre Risiken abzusichern, etwa durch die Vergabe von Gruppenkrediten mit Solidarhaftung. Die Dorfgemeinschaft ist somit zuweilen als soziales Kontrollinstrument für die nötige Sicherheit zuständig. Interessant ist, dass ein Grossteil der Kredite an Frauen vergeben wird, da sie das Geld nachhaltiger und zum Wohle der Familie einsetzen, so die Erfahrung der Vergabeinstitutionen.

Manche Berater der Mikrofinanz-Institute haben intensiven Kontakt zu den Kreditnehmern und sind häufig vor Ort. Doch die Zahlungsdisziplin ist beachtlich: 97 Prozent aller Mikrokredite werden nach Angaben der Vereinten Nationen fristgerecht zurückgezahlt.

 

56 Länder werden abgedeckt

Die hohe Rückzahlungsquote ist denn auch ein Grund, weshalb eine Investition in Mikrokreditfonds für Anleger interessant ist. In der Schweiz wird der „responsAbility Global Microfinance Fund" angeboten. Hierhinter stehen als Gründer und Aktionäre Finanzinstitute wie Credit Suisse, Raiffeisen Schweiz, Swiss Re und die Bank Vontobel. Der Fund verwaltet aktuell über 814 Millionen Dollar (881 Millionen Franken) über 249 Institutionen in 56 Ländern. Dazu Thomas Baer von Credit Suisse: „Der Fund richtet sich an sozial motivierte Anleger und ist einmalig in der Schweiz.“

Das Prinzip der Mikrokredit-Fonds ist einfach, wie Cecile Koller von „ResponsAbility“ erklärt: „Die eingezahlten Gelder werden an ausgewählte und von internationalen Rating-Agenturen bewertete Mikrofinanz-Institute weitergeleitet. Diese wiederum unterstützen und überwachen eine Vielzahl an Einzelprojekten rund um den Globus.“ Verzinst wird das investierte Kapital mit sechs bis zehn Prozent. Anlegern bleibt nach Abzug der Kosten neben einem guten Gewissen auch eine Rendite von bis zu fünf Prozent.

Mikrokreditfonds nicht an Aktienmärkte gekoppelt

Ein interessantes Anlageinstrument sind Mikrokreditfonds auch deshalb, weil sie nicht an die globalen Aktienmärkte gekoppelt sind. „Die Finanzkrise hat den Mikrokreditmarkt bisher nicht stark getroffen, weil unser Bereich von der Entwicklung der grossen Märkte vollkommen abgekoppelt ist. Zudem stecken die Mikrofinanz-Institute ihr Geld nicht in Anlagetrends, sondern in bodenständige Betriebe, die etwas erzeugen, wonach Bedarf besteht“, sagt Koller. So bekommt die Näherin Geld für eine Nähmaschine, der Coiffeur für eine Friseurausstattung und der Mangohändler für einen Marktstand. Sie alle machen dann in ihrer unmittelbaren Umgebung Umsatz, egal, wie die Weltkonjunktur gerade läuft.

Transparenz gefordert

Diese Art der Finanzierung wird umso wichtiger, da momentan die Budgets vieler Institutionen oder auch des Bundes in diesem Feld gekürzt werden. „Auf diese Art und Weise fliesst noch Geld in die Förderung von Kleinunternehmen und wenigstens diejenigen, die sich schon etwas aufgebaut haben, können weitermachen“, sagt der Afrika-Experte Aerni. Doch die Grundlage für effiziente Mikrokredite sei dennoch die Transparenz. Aerni: „Beispielsweise in Ghana, einem wirtschaftlich aktiven Land, haben laut einer Umfrage nur 3 bis 4 Prozent der Unternehmer von der Möglichkeit dieser Finanzierung gehört.“ Wer in diese Instrumente investiert, solle darauf drängen, genaue Informationen über die Geldervergabe zu erhalten. Denn Mikrokredite tun nur Gutes, wenn sie dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

 

Bild: United Nations Capital Development Fund Country programme: Hier in Nigeria (Adam Rogers).

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