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Ackerland im Ausverkauf

Geschrieben von: Tina Goethe, Swissaid 09.06.09
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Reiche Staaten kaufen oder pachten riesige Agrarflächen in armen Ländern. Sie wollen sich Land sichern, um die eigene Bevölkerung auch in Zukunft zu ernähren. Doch Menschen im Sudan oder auf Madagaskar hungern jetzt.

Länder, die einen Grossteil ihrer Nahrungsmittel importieren müssen, haben im letzten Jahr erfahren müssen, auf welch tönernen Füssen diese Art der Ernährungssicherung über den Weltmarkt steht. Um die Versorgung ihrer Bevölkerung langfristig sicherzustellen, schicken die finanzkräftigsten dieser Länder ihre Firmen auf eine globale Einkaufstour und sichern sich grosse, fruchtbare Ländereien auf Jahrzehnte durch Kauf oder Pacht. Neben den asiatischen Ländern China, Japan und Südkorea sind vor allem die arabischen Ölstaaten auf Landsuche im Ausland. «Mit erstaunlicher Geschwindigkeit sind einige der neuen Wirtschaftsmächte im Begriff, die Erde neu aufzuteilen », schreibt GRAIN, internationale Partnerorganisation von SWISSAID. In einem aufsehenerregenden Bericht listet GRAIN auf, wo sich welche Staaten und privaten Unternehmen wie viel Land für welche Produkte gesichert haben. Allein chinesische Firmen haben in den letzten Jahren über 30 Kooperationsverträge mit Ländern in Afrika und Asien abgeschlossen: Land im Tausch für Technologie und den Ausbau von Infrastruktur. Unter den Ländern, die grossflächig Land an ausländische Investoren  veräussern, ist auch der Sudan zu finden. Obwohl 5,6 Millionen interne Flüchtlinge von den Vereinten Nationen mit Nahrungsmittellieferungen versorgt werden müssen, hat die saudische Firma Adco über 10 000 Hektar Land für die Produktion von Weizen und Gemüse für Saudi-Arabien pachten können.

 

Bis in die Schweizer Medien schaffte es auch das Vorhaben der südkoreanischen Firma Daewoo Logistics, die für die nächsten 99 Jahre 1,3 Millionen Hektar Ackerland in Madagaskar pachten will. Das entspricht rund der Hälfte der aktuell kultivierten Fläche des Landes. Geplant ist der Anbau von Mais und Ölpalmen für den koreanischen Markt – vor allem als Futtermittel und zur Produktion von Treibstoff. Mittlerweile steht die Regierung Madagaskars unter starkem Druck – auch aufgrund dieses skandalösen Landdeals. Die Landkäufe erinnern in erschreckender Weise an koloniale Zeiten und führen zu einer Umverteilung natürlicher Ressourcen von ärmeren in reichere Länder. Die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern wird zudem massiv industrialisiert. Reis, Soja, Mais, Weizen werden in grossen Monokulturen für den Export produziert. Nicht nur die Produkte, auch die Gewinne gehen ins Ausland. Viele arme Länder können schon jetzt die Ernährung ihrer Bevölkerung nicht sicherstellen – wenn sie fortfahren, ihr fruchtbares Ackerland an die Meistbietenden zu verschleudern, wird sich der Hunger in diesen Ländern dramatisch verschärfen. Dabei werden zuallererst die Kleinbauernfamilien und tierhaltenden Gemeinsch aften die Kontrolle über ihr Land und ihre Weideflächen verlieren.

GRAIN hat mit ihrem Bericht auf einen gefährlichen globalen Trend hingewiesen, der sich bisher weitgehend im Stillen vollzogen hat. An vielen Orten haben sich Bauernorganisationen bereits gegen den Ausverkauf ihres Landes zur Wehr gesetzt. SWISSAID wird sie weiterhin darin unterstützen, sich für ihre Rechte einzusetzen und ihre Regierungen zur Verantwortung zu ziehen.

 

Zur Person:

Tina Goethe ist bei Swissaid für den Themenbereich Entwicklungspolitik mit dem Schwerpunkt Ernährungssouveränität zuständig.

 

 Bild Textseite: Kruger Nationalpark Südafrika (South Africa Tourism).

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