Grüne Chance in den USA

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 09.03.09
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Martin von Walterskirchen, Welthandel, Umweltschutz, erneuerbare Energien, OsecIn der Krise steckt Potential für Erfolg. Das Konjunkturprogramm der USA schafft gerade für Umwelttechnologien und erneuerbare Energien neue Chancen, sagt Martin von Walterskirchen, beim offiziellen Schweizer Exportförderer Osec als Regionaldirektor für Amerika zuständig. Schweizer Unternehmen können davon profitieren.

Yvonne von Hunnius:Derzeit beherrscht das Bankgeheimnis die Debatte über die Beziehungen zu den USA. Warum sollte die Schweiz für die USA mehr bedeuten als nur UBS und Uhren?

Martin von Walterskirchen:Weil es im Interesse der USA ist. Wir stellen in den USA 400.000 Arbeitsplätze mit ungefähr 600 Firmen. Umgekehrt stellen die USA in der Schweiz etwa 75.000 Arbeitsplätze. Das bedeutet auf beiden Seiten viele Jobs und eine Menge Steuern. Gerade dieser Tage hat sich wieder gezeigt, wie wichtig wir für die USA sind. Nestlé hat in Anderson, Indiana, ein grosses Werk errichtet. Dort, wo GM gerade für viele Arbeitslose gesorgt hatte. Diese Direktinvestition aus der Schweiz helfen, die Situation in den USA zu verbessern. Die USA ist immer noch Zielland Nummer eins für unsere Direktinvestitionen.

Yvonne von Hunnius:Befürchten Sie, dass die Diskussion um Steueroasen die Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig belastet?

Martin von Walterskirchen: Ich habe ebenso wenig eine Kristallkugel wie Sie und weiss daher nicht, was die Zukunft bringt. Ich denke, dass das von der Verhandlungsführung und den Interessen abhängt. Washington weiss, dass Schweizer Firmen rund 400.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen haben. Das entspricht fast einem Siebtel unseres Arbeitsmarktes und man könne etwas reisserisch sagen: Die Schweiz lagert fast einen Siebtel ihres Arbeitsmarkts nach USA aus.

Handelsbeziehungen in Zahlen:

Die USA ist der wichtigste aussereuropäische Exportmarkt der Schweiz und Nummer eins bei Schweizer Direktinvestitionen. Das Exportvolumen erreichte 2008 eine Rekordhöhe von 20 Milliarden Franken. Die neuen Direktinvestitionen betrugen 8,6 Milliarden Franken. Der Umsatz von Schweizer Unternehmen in den USA belief sich auf 138 Milliarden Franken, derjenige von US-Unternehmen in und aus der Schweiz 150 Milliarden Dollar.

Yvonne von Hunnius: Obama hat das grösste Konjunkturprogramm der US-Geschichte auf den Weg gebracht. Gibt es auch Chancen für Schweizer Unternehmen?

Martin von Walterskirchen: Wir im Swiss Business Hub Chicago, wo wir uns tagtäglich mit Handelsförderung befassen, sehen für die Schweizer drei Schwerpunktbereiche und werden hier aktiv. Zum ersten weiterhin in der Medizinalbranche, wo wir bereits eine eigene Marke, Swiss Medtech, etabliert haben. Die Automotive-Industrie (der Auto- und Bahnsektor, Schiffbau sowie Luft- und Raumfahrt, yvh.) stellt einen wichtigen Bereich dar. In die Umwelt- und Energie-Branche steigen wir neu ein – aufgrund des Konjunkturprogramms und unserer Einschätzung des Marktes. Obama wird eine grüne Note in die künftige Wirtschaftspolitik einbringen.

Yvonne von Hunnius: Warum immer noch der Automotive-Bereich?

Martin von Walterskirchen: Wir haben im Maschinenbereich die Nase vorn. Wenn Ford aufgrund neuer wirtschaftspolitischer Anreize umweltfreundlichere Autos produzieren will, dann muss in neue Technologie investiert werden. Zum Beispiel hängt bei der Einspritztechnik die Effizienz des Motors stark von der Präzision des Einspritzlochs ab. Schweizer können das.

Yvonne von Hunnius: Wie stark wird in den USA die Schweiz mit Umweltschutz verbunden?

Martin von Walterskirchen: Wir arbeiten daran. Bald soll es auch hier eine eigene Schweizer Marke geben. Wie erstellen gerade eine Studie über die Möglichkeiten im Umweltschutzmarkt. Die Ergebnisse werden im Herbst zusammen mit Osec vorgestellt. Daraus ergibt sich dann eine Strategie, wie wir Schweizer Firmen dabei helfen können, diesen Markt zu erobern. Wenn es um eine Erneuerung von Stromnetzen für alternative Energien geht, dann muss man in den USA jetzt schon an ABB denken, die mit Lösungen führend sind. Auch in den „Clean Technologies“, wie Abfallverwertung, Recycling, Biovergasung, Wasserreinigung oder beim Hausbau mit öko-effizienten Baumaterialien sind unsere Firmen vorne dabei.

Yvonne von Hunnius: Werden die USA die Gelder des Konjunkturpakets nicht vor allem an amerikanische Unternehmen zahlen?

Martin von Walterskirchen: Jeder, der sich an diesen Projekten beteiligt, wird über kurz in der USA eine Firma gründen und so zu den rund 600 Schweizer Firmen stossen, die sich in den USA niedergelassen haben. Es wird sicher Teile des Obama-Planes geben, wo wir kaum Chancen haben. So ist nicht davon auszugehen, dass im Strassenbau Firmen aus der Schweiz zum Zuge kommen. Aber es gibt viele andere Bereiche, wo unser Wissen den USA nützt und gefragt sein wird.

Yvonne von Hunnius: 2006 ist das Bestreben gescheitert, ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Schweiz zu etablieren. Ist ein Freihandelsabkommen light ohne das problematische Landwirtschaftsdossier denkbar?

Martin von Walterskirchen: Ich würde es mir wünschen, doch ich wäre überrascht, wenn es in den kommenden Jahren Thema würde. Die USA haben klar zum Ausdruck gebracht, dass Freihandel ohne Landwirtschaft nicht in Frage kommt. Klar ist jedoch: Das Scheitern hat keine tiefen Wunden hinterlassen.

Yvonne von Hunnius: Welche Aspekte sollte ein Unternehmen gerade jetzt im Auge haben, wenn der Eintritt in den US-Markt geplant ist?

Martin von Walterskirchen: Erstens müssen alle Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes genau geprüft werden. Zweitens muss dieser wichtige Schritt von der gesamten Führungsebene eines Unternehmens gestützt sein, denn der Eintritt in den Markt kann nicht nebenbei geschehen. Zum Dritten ist entscheidend, sich umfassende Marktkenntnis zu verschaffen und eine klare US-Strategie zu erstellen.

Die Marktchancen sind gross und wir von Osec sind Experten darin, Schweizer Unternehmen im US-Markt zu unterstützen. In der Rezession tritt der Handel schliesslich nicht auf der Stelle. Wer sich in der Krise ins Schneckenhaus zurückzieht, dem kann wenig passieren, doch wer sie nutzt, der kann Unglaubliches herausholen. Die Schweizer müssen mit ihrer Schaffenskraft keine Angst vor der Krise haben.


Zur Person:

Martin von Walterskirchen ist seit Anfang 2008 Regionaldirektor in Nord- und Südamerika von Osec, dem offiziellen Schweizer Aussenwirtschaftsförderer. Der Schweizer Diplomat wurde in Budapest geboren, wuchs in Bern auf und studierte an der Hochschule St. Gallen Wirtschaft. Er arbeitete unter anderem für Philips, bevor er in den Dienst des Bundes eintrat. Er war unter anderem Leiter der Delegation der Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT), in deren Folge die Welthandelsorganisation gegründet wurde, und persönlicher Berater von Bundesrat Arnold Koller.

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