Der Einbruch der Exporte hat die Schweiz in die Rezession gezogen. Nun soll die Wirtschaft bisher ungenutzte Exportpotentiale nutzen, sagt der offizielle Exportförderer Osec. Dabei hat er vor allem die Gesundheitsindustrie und die Umwelttechnologien im Blick. Dort gibt es viele Unternehmen mit Spitzenleistungen, die aber zu klein sind, um ihr Exportpotential voll auszuschöpfen.
Die beiden Ingenieure aus Mecklenburg-Vorpommern sind neidisch. „Ihr Schweizer habt einen guten Stand“, sagen sie mit Blick auf den „Swiss Pavilion“ an der World Future Energy Summit, einer grossen Messe für erneuerbare Energien und Umwelttechnologien im Januar in Abu Dhabi. Tatsächlich wurde der Stand der Schweiz wahrgenommen. Selbst der Kronprinz des Emirats, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, schaute vorbei – am Golf eine hohe Ehre. Sein Abstecher war auch eine Referenz an Moritz Leuenberger. Der Umwelt- und Energieminister war mit einer Delegation von rund 20 Unternehmern an den Golf gekommen. Deutschland dagegen hatte zwar den Umweltminister angekündigt, aber nur einen Staatssekretär geschickt. Solche feinen Unterschiede werden am Golf wahrgenommen. Im Osten ist noch Potential Auch an der Arab Health in Dubai, der grössten Gesundheitsmesse im arabischen Raum nur eine Woche später, war die Schweiz mit einem eigenen Pavillon vertreten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Ausstellungsfläche der inzwischen 27 Schweizer Aussteller verdoppelt. Mit Grund: Ein guter Teil der rasant wachsenden Ausfuhren der Schweiz in die Vereinigten Arabischen Emirate besteht aus Produkten und Dienstleistungen des Medizinalbereichs. Umwelttechnologien und erneuerbare Energien sowie der Gesundheitsbereich bilden derzeit die Schwerpunkte des Schweizer Exportförderers Osec. In beiden gebe es noch grosses ungenutztes Exportpotential, sagt Osec-Chef Daniel Küng. Er sieht in der Gesundheit und Medizinalbranche eine Nachfrage vor allem in Russland, am Golf und in Indien, in der „grünen“ Wirtschaft ebenfalls am Golf, in China und Kanada. Allein die Medizinalindustrie beschäftigt in der Schweiz 45000 Mitarbeiter. Der Umsatz ist in den vergangenen Jahren zweistellig gewachsen. Hinzu kommen Dutzende Kliniken, die Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Stark zu Hause, schwach im Export Doch die „grünen“ wie die „gesunden“ Wirtschaftszweige haben ein Problem: Sie bestehen vor allem aus kleinen und mittleren Firmen. Unternehmen wie Oerlikon Solar oder ABB sind die Ausnahme. Für die Kleinen ist es aber ein grosser Schritt, in den Export zu gehen. Ein Beispiel: Renggli in Sursee LU baut Holzhäuser im Minergiestandard. 1999 baute es die erste Passivhaussiedlung in der Schweiz, 2006 das erste sechsgeschossige Holzgebäude der Schweiz. Doch der Exportanteil liegt erst bei 5 Prozent. Unternehmenschef Max Renggli spricht deshalb von einem „unglaublichen Potential“. Doch dazu brauche es ein Netzwerk von Fachleuten vor Ort. Ähnlich geht es MyClimate. Die Zürcher Stiftung bietet Unternehmen und Privatpersonen die Möglichkeit, ihren Ausstoss von Kohlendioxid zu kompensieren. Mit den freiwilligen Zahlungen werden Klimaprojekte finanziert. Mit ihren gut 20 Mitarbeitern ist es ein kleines Unternehmen. Beim Besuch Leuenbergers in Abu Dhabi war es dabei. Grün wird zum Verkaufsargument Solche Unternehmen brauchen Hilfe, um erfolgreich exportieren zu können. Für die Bereiche Medizinaltechnik und Gesundheit hat die Osec deshalb im November gemeinsam mit Schweiz Tourismus den Verein „Swiss Health“ ins Leben gerufen. Bundesrätin Doris Leuthard begrüsste diesen Schritt. „Da der Gesundheitsmarkt in naher Zukunft ein weltweit entscheidender Standortfaktor sein wird, trägt dieser Verein dazu bei, den Unternehmensstandort Schweiz zu stärken.“ Mit der Führung des Vereins ist derzeit die Swixmed AG beauftragt. Das Zürcher Unternehmen ist darauf spezialisiert, Patienten aus dem Ausland in die Schweiz zu holen. Im Bereich der „grünen“ Wirtschaft unterstützt die Osec den Verein Swiss Village Association. Dieser will in der Ökostadt Masdar, deren Bau bei Abu Dhabi begonnen hat, an zentraler Lage ein Schweizer Quartier einrichten. Laut Osec-Chef Küng soll hier ein Schaufenster der Schweizer „grünen“ Wirtschaft entstehen. Bisher sind 37 Unternehmen Mitglied des Vereins. Dazu gehören grosse Unternehmen wie OC Oerlikon, Schindler und Hilti, mittelgrosse wie Meyer Burger und Geberit und kleinere wie MyClimate und das Zürcher Planungsunternehmen Maxmakers, das als erstes ausländisches Unternehmen bei der Planung Masdars dabei war. „Grün“ wird gerade in der Krise immer mehr zu einem Verkaufsargument, das im Ausland sticht. Das zeigt ausgerechnet die gebeutelte Finanzbranche: Die Bank Sarasin hat im wichtigen Markt Deutschland vor allem dank ihren nachhaltigen Fonds Fuss fassen können. Die Basler Bank, Vorreiterin bei solchen Anlageformen, spürt den Wind im Rücken. „Nachhaltigkeit als breites Konzept hat in dieser Krise an Wert gewonnen“, sagt Andreas Knörzer, Leiter Nachhaltige Vermögensanlagen der Bank. Bild: Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate, am Swiss Pavilion am World Future Energy Summit im Januar 2009 in Abu Dhabi (maxmakers).
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