Wachsen dank Nachhaltigkeit

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 03.02.09
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Nachhaltigkeit ist ein Verkaufsargument bei Finanzprodukten. Vermögende Privatanleger ebenso wie institutionelle Anleger suchen nachhaltige Anlageprodukte, sagt Andreas Knörzer, Leiter Nachhaltige Vermögensanlagen der Bank Sarasin. Doch auch die Rendite muss stimmen.

Steffen Klatt: Die Krise ist sehr plötzlich gekommen. Sie hat auch die erneuerbaren Energien getroffen. Ist sie also auch eine Krise der Nachhaltigkeit?

Andreas Knörzer: Nein, das möchte ich nicht sagen. Im Gegenteil: Wir merken, dass Nachhaltigkeit als breites Konzept in dieser Krise an Wert gewonnen hat. Nachhaltigkeit heisst unter anderem auch mehr Transparenz. Das merkt man auch an der Reaktion der Kundschaft, die immer mehr Wert auf Transparenz legt. Wir können für unser Haus sagen, dass wir in unseren nachhaltigen Fonds und Mandate wenig bis keine strukturierten Produkte eingesetzt haben. Das hat auch unserer Performance geholfen. Wir bekommen aufgrund dieser Krise neue Kunden, die wieder mehr an den realen wirtschaftlichen Hintergründen interessiert sind. Salopp gesagt, sind wir fast Krisengewinner. Aus der Perspektive der erneuerbaren Energien muss man sagen, dass es noch eine junge Branche ist, die dringend Finanzierung braucht. Diese Finanzierung ist in den vergangenen drei, vier Monaten allerdings schwieriger geworden. Man kann deshalb schon sagen, dass erneuerbare Energien und „cleantech“ betroffen sind.

Steffen Klatt: Sie betonen, dass Nachhaltigkeit mehr ist als erneuerbare Energien und cleantech, also die Umweltindustrie. Warum?

Andreas Knörzer: Nachhaltigkeit als Konzept beinhaltet nicht nur Umweltfragen, sondern auch soziale Fragen und Aspekte der Corporate Governance. Wie geht ein Unternehmen mit seinen Anspruchsgruppen um? Das ist sehr vielfältig. Es betrifft den Umgang mit der Kundschaft, die Beziehungen zu den Zulieferern, zu den Wettbewerbern, zur Öffentlichkeit, zu den Mitarbeitern. Aber je nach Branche sind Umwelt und Energie sehr wichtige Fragen.

Steffen Klatt: Woher kommen Ihre neuen Kunden?

Andreas Knörzer: Von überall. Vermögende Privatkunden wollen deutlich mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Nach einer Studie von Eurosif (European Social Investment Forum, Organisation von Finanzhäusern zur Förderung sozial verantwortlicher Investitionen, red.) wollen 87 Prozent der „High Net Worth Individuals“ - und das startet schon bei zwei, drei Millionen – deutlich oder zumindest sukzessive ihre Investments in Bereich Nachhaltigkeit erhöhen. Das ist ein starker Treiber. Wir stellen auch fest, dass das Thema bei institutionellen Anlegern, auch Pensionskassen, an Bedeutung gewonnen hat.

Steffen Klatt: Wie können Sie garantieren, dass Ihre Anlagen nachhaltig sind?

Andreas Knörzer: Garantien kann man nicht geben. Wir haben in der Krise gemerkt, was der Begriff garantierter Return wert ist, nämlich nichts. Wir stehen aber dafür ein, dass wir die Unternehmen mit grosser Sorgfalt auswählen und bewerten. Unserer Produkte basieren auf Sarasin-eigenem Research. Die Analysten kennen ihre Branchen sehr gut. Es sind Physiker, Biologen, Geografen. Ihr breiter schulischer Rucksack erlaubt es, breit in die Unternehmen hineinzuschauen. Das heisst aber nicht, dass man immer alles erkennt und richtig beurteilt.

Steffen Klatt: Was sind Ihre Kriterien der Nachhaltigkeit?

Andreas Knörzer: Wir unterscheiden Umweltaspekte und soziale Aspekte. Im Bereich Umwelt haben wir einen Lebenszyklusansatz. Das heisst, wir analysieren die Produkte von der Vorleistung an, also den Zulieferern, zur Behandlung im Haus selber bis hin zur Einsatz bei der Kundschaft. Wir fragen nach dem Verbrauch von Energie, von Rohmaterial, nach der Wiederverwertbarkeit der Produkte. Wir stützen uns auf das Konzept des World Business Council for Sustainable Development. In der Sozialanalyse arbeiten wir mit einem Stakeholder-Ansatz. Wir schauen, wie Unternehmen mit diesen umgehen.

Steffen Klatt: Woher kommt das Geld, das Sie anlegen?

Andreas Knörzer: Wir haben neben der Schweiz eine gute Position im deutschsprachigen Ausland. Der Aufbau des institutionellen Geschäfts mit deutschen Kunden ist von der Nachhaltigkeit dominiert worden. Das war das Produkt, das wir in den Markt tragen konnten. Wir sind inzwischen aber breiter international aufgestellt. Wir sind einer der führenden Manager von Pensionsgeldern der englischen Umweltagentur, wir sind einer der Manager der französischen Vorsorgeagentur FRR (Fonds de Réserve pour les Retraites, red). Wir sind mit unseren Publikumsfonds inzwischen so weit, dass sie in Asien gut verkauft werden.

Steffen Klatt: Hilft es, eine holländische Mutter zu haben?

Andreas Knörzer: Die Rabobank ist die einzige Bank, die noch ein Triple-A-Rating hat. Das hat in den vergangenen Jahren geholfen, gerade auch ausserhalb Europas. Allerdings hat das ein bisschen an Wert verloren, weil ein grosser Teil der Bankenlandschaft inzwischen staatlich ist.

Steffen Klatt: Wo legen Sie das Geld an?

Andreas Knörzer: Das ist ganz unterschiedlich. Das können grosse Industrieunternehmen sein, wenn wir uns an einem gängigen Aktienindex orientieren. Wir haben aber auch Anlagestrategien, die spezifisch in Themen investieren, sei es in Wasser, sei es in erneuerbare Energien oder nachhaltige Mobilität und nachhaltiger Konsum. Gerade diese themenspezifischen Anlagestrategien sind in den letzten zwei, drei Jahren überdurchschnittlich gewachsen.

Steffen Klatt: Sie haben die Publikumsfonds erwähnt. Sind nachhaltige Anlagen also nicht nur etwas für Vermögende?

Andreas Knörzer: Nein, das sind Anlagen für jedermann. Es gibt auch nicht mehr den typischen „nachhaltigen“ Anleger. Vor zehn Jahren haben Kundenberater noch gesagt, sie könnten ihren Kunden ansehen, ob sie in diese Richtung anlegen wollten. Heute ist das nicht mehr so.

Steffen Klatt: Worauf sollte ein Anleger achten, wenn er in nachhaltige Anlagen investieren will?

Andreas Knörzer: Bevor man sich Gedanken macht, wie man sein Geld anlegt, sollte man nachdenken, was für ein Risikoprofil man hat. Ist es Geld, das ich etwa für den Hausbau brauche, oder kann ich es auf die Seite legen und auch Durststrecken durchstehen, wie wir sie jetzt haben. Das ist immer noch die gute alte Regel. Erst danach kommt die Frage, ob man nachhaltig anlegen will.
Wenn man Vermögen unter einer Million vernünftig anlegen will, dann kommt man wegen dem Aspekt der Diversifikation nicht darum herum, 30 bis 40 Prozent in Publikumsfonds zu stecken und den Rest in Einzeltiteln. Bei der Auswahl der Fonds sollte man darauf achten, ob Nachhaltigkeit wirklich ein Geschäft ist für den Anbieter, oder ob er nur opportunistisch zwei, drei Fonds in den Markt stellt. Es geht auch um die Erfahrung des Anbieters.
Wir als Bank werden von den Anlegern auch zunehmend gefragt, wie nachhaltig wir selbst arbeiten. Auch dazu können wir Stellung nehmen, wir haben die entsprechenden Berichte über unsere Nachhaltigkeitsleistung als Bank.
Und ganz zum Schluss muss auch die Performance stimmen.

Steffen Klatt: Gutes Gewissen reicht also nicht?

Andreas Knörzer: Wenn man Nachhaltigkeit als etwas ansieht, dass über einen längeren Zeitraum auch wirtschaftlich sinnvoll ist, dann muss das auch an der Performance ablesbar sein.

Steffen Klatt: Wie lange wird die Durststrecke der „grünen“ Wirtschaft anhalten?

Andreas Knörzer: Das hängt von der Branche ab. Bei „cleantech“ und erneuerbaren Energien sind die Kreditzusagen fast zusammengebrochen. Das geht der Branche genauso wie anderen. Die Zurückhaltung der Banken gegenüber dieser Branche ist aber nicht daraus entstanden, dass die Branche versagt hat, sondern weil die Banken generell zurückfahren müssen. Wir sind überzeugt, dass wenn sich die Kreditklemme löst, dieser Sektor relativ schnell wieder Kredite zu vernünftigen Konditionen zugesagt bekommt. Die Pakete des „new green deal“, die derzeit nicht nur in Amerika geschnürt werden, geben eine gewisse geschäftliche Sicherheit.

Steffen Klatt: Droht eine neue Blase, weil so viel Geld in die Branche fliesst?

Andreas Knörzer: Diese Investitionen sind ohnehin notwendig. Schauen Sie sich die Infrastruktur in den USA an. Sie ist steinalt. Solange ein Staat in diese Richtung investiert, ist das eine sinnvolle Sache.


Zur Person:

Andreas Knörzer, Jahrgang 1960, ist Leiter Nachhaltige Vermögensanlagen der Bank Sarasin in Basel.

Das Interview wurde während des World Future Energy Summit im Januar in Abu Dhabi geführt.

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