Mit Vollgas zum Stromauto

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 14.01.09
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Detroit - General Motors baut eine eigene Fabrik zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien in Michigan. Allerdings braucht man dazu die LG Chem aus Korea als Partner. Die ersten Elektroautos Made in USA sollen 2011 rollen. Die US-Automobilindustrie versucht jedenfalls, Versäumtes rasch aufzuholen – und ihre Konkurrenten vor allem in Asien zu überholen.

Das Zauberwort bei der Internationalen Auto Show in Detroit heisst „elektrisch“. Die Neuigkeit, dass General Motors (GM) eine Fabrik zur Herstellung Lithium-Ionen-Batterien plant, mit denen ab 2011 das Chevrolet-Modell „Volt“ ausgerüstet werden soll, lenkte sogar vorübergehend von der allgemeinen Krise der US-Autoindustrie ab und erweckte den Eindruck, als bräche die Branche zu neuen Ufern auf.

Kurswechsel bei GM

Für GM bedeute diese Entscheidung, massiv auf den Volt mit Elektro-Antrieb zu setzen, einen „echten Kurswechsel“ befindet David Cole vom Automobil-Forschungszentrum in Ann Arbor in Michigan. Als der Konzern, wie auch Chrysler, vor kurzem staatliche Überbrückungskredite bekam, war gefordert worden, die US-Autohersteller müssten sich restrukturieren und modernere, den Kundenwünschen entsprechende Modelle bauen. Mit dem „Volt“ scheint GM diesen Weg einschlagen zu wollen.
GM setzt auf die neue Technik und macht seinen Erfolg davon abhängig. „Wir glauben, dass dadurch ein Wettbewerbsvorteil für GM entstehen wird, der entscheidend für den GM-Erfolg ist“, sagte General Motors-Chef Richard Wagoner auf der Auto Show in Detroit.
Allerdings ist die Nachricht von der GM-Hinwendung zu batteriebetriebenen Autos nicht nur positiv für die amerikanische Industrie. Denn GM hat sich entschlossen, die Batterie-Fabrik in Michigan nicht mit dem Unternehmen A 123 Systems aus Massachusetts zu bauen, sondern mit LG Chem aus Korea. Auch die deutsche Continental AG hatte ein Angebot unterbreitet, war jedoch nicht zum Zuge gekommen.
Neben GM hat Ford angekündigt, man werde innerhalb von zwei Jahren ein Elektroauto auf den Markt bringen. Auch Ford will mit einem ausländischen, wenn auch nicht weit entfernten, Partner zusammenarbeiten: mit Magna International in Kanada.

Japaner sind voraus

Die US-Autohersteller hinken den Japanern weit hinterher, wenn es um die Entwicklung von Elektroautos geht. Toyota stellt bereits das Erfolgsmodell Prius mit Hybrid-Antrieb her. In Detroit hat das Unternehmen nun den Prototyp für ein reines Elektroauto vorgestellt. Konkurrent Nissan hat angekündigt, man werde schon im kommenden Jahr ein reines batteriebetriebenes Elektro-Auto auf dem US-Markt anbieten.
Die Abhängigkeit des GM-Konzerns von ausländischen Produkten hat zwei demokratische Politiker aus Michigan, den US-Senator Carl Levin und den Kongressabgeordneten Sander Levin, veranlasst, die US-Regierung aufzufordern, der amerikanischen Autoindustrie Kapitalhilfen zu geben, damit diese im Wettbewerb um die nächste Generation der Auto-Technologie den Anschluss nicht verliere. „Wir müssen in der Lage sein, die wichtigen Teile in den USA selber zu bauen“, sagten die Politiker-Brüder in einer gemeinsamen Erklärung. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Hochtechnologie im Ausland die entscheidenden Autoteile produziere und diese dann in die USA transportiert und nur noch montiert würden.

Koreaner bieten auch Forschung

Der Vize-Vorsitzende für globale Entwicklung bei General Motors, Bob Lutz, betonte in Detroit, dass man lieber mit einem amerikanischen Unternehmen zusammengearbeitet hätte, um die Batterietechnik herzustellen. Das Angebot der Koreaner allerdings habe auch Forschung und die Entwicklung alternativer Treibstoffe umfasst. Damit hätten die amerikanischen Firmen nicht mithalten können. GM habe sich nur für das bessere Produkt entschieden. Er hoffe, sagte Lutz, „dass die Obama-Regierung das verstehen wird.“ Damit die USA wettbewerbsfähig mit anderen Industrieländern würden, müsse man eben auf Forschung und Entwicklung setzen. Kritik an den Plänen von GM und Ford, ihre ersten Schritte zur Nutzung von Elektrizität als Antriebsquelle mit ausländischen Unternehmen zu gehen, war in Detroit nicht zu hören. Zu tief sitzt der Schock über die schlimmste Krisensituation für die US-Autoindustrie seit der grossen Depression in den 30er Jahren.

GM setzt voll auf Volt

In den Volt hat GM mehr als eine Milliarde Dollar an Entwicklungsgeldern gesteckt. Das Auto soll mit einer einzigen Aufladung 60 Kilometer weit fahren können und muss dann wieder aufgeladen werden. Die Kosten sollen derzeit bei 35.000 Dollar liegen. GM will in die Fortentwicklung bis 2013 eine weitere Milliarde Dollar investieren. Auch ein Forschungszentrum für neue Lithium-Ionen-Batterien an der Universität von Michigan will GM finanzieren. Diese Batterie-Art werde die Kraftquelle der Zukunft für Elektroautos sein, sagte Prabhakar Patil, Vorstandschef von Compact Power, eine Tochter von LG Chem. Die Probleme der ersten Generation solcher Batterien seien gelöst. Der erfolgreiche Toyota Prius und andere Autos mit Hybrid-Antrieb verwenden Nickel-Batterien, die wegen der Rohstoffpreise immer teurer werden. Patil meinte dazu in Detroit, die Lithium-Ionen-Batterie sei billiger herzustellen, weil man weniger Nickel verbrauche und mehr Mangan, das reichlich vorhanden und billig sei.

 

Bild: Volt an der Internationalen Auto Show 2009 in Detroit (Bild: John F. Martin für General Motors)

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