Brüssel – Immer mehr Unternehmen setzen auf Nachhaltigkeit in der Produktion. Die treibenden Kräfte dazu sind nicht nur der politische Druck, sondern mehr Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung. Auch sinkende Kosten und mögliche Gewinne spielen bei der ressourcenschonenden Produktion eine Rolle.
„Unser Credo ist es, Ökologie und Ökonomie zusammen zu bringen. Denn nachhaltiges Produzieren zahlt sich auch für Unternehmen aus“, sagt Stefan Müssig vom Förderkreis Umweltschutz in Unterfranken. Das „Modell Hohenlohe“ bringt 180 Unternehmen im Norden Baden-Württembergs zusammen und ist ein Beispiel für erfolgreiches Energiemanagement. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, durch ein Energiemanagementsystem, die Kosten der teilnehmenden Unternehmen um 12 bis 25 Prozent zu senken. „Statt den festgesetzten zehn Prozent haben wir in sechs Jahren sogar 20 Prozent Energiereduktion erreicht“, berichtet Müssig stolz. Das bedeute für jedes Mitglied eine Ersparnis von 120.000 Euro pro Jahr bei einer Reduktion von Kohlendioxidemissionen von 17.000 Tonnen. „All diese Massnahmen sind also sehr profitabel.“ Unternehmen tragen Verantwortung Dass umwelteffizientes Produzieren Kosten spart, weiss auch Klaus Hieronymi von Hewlett Packard. Der Umweltexperte hat in den letzten Jahren bei Unternehmen aber auch eine Veränderung in Richtung mehr soziale Verantwortung festgestellt. Aus seiner Sicht hat dazu klar der Gesetzgeber den Anstoss gegeben. Das hat auch mit den öffentlichen Diskussionen über den Klimawandel zu tun. „Es geht beim umweltfreundlichen Produzieren viel um das eigene Image“, sagt Rosa Maria Dangelico, Forscherin an der polytechnischen Universität in Bari. Kunden fordern auch immer mehr eine sichtbare soziale Verantwortung beim Hersteller. „Wir haben eine besondere Produktverantwortung“, sagt auch Alain Denielle von STMicroelectronics an der Konferenz über Nachhaltiges Produzieren in Brüssel, organisiert von Greenpower Conferences. „Wenn die Welt zu Ende geht, können wir Unternehmer auch keinen Erfolg mehr haben. So einfach ist das.“ Daher sei es besonders wichtig auf nachhaltige Entwicklung zu setzen, betont der Unternehmer, dessen Ziel es ist sein Unternehmen bis 2010 auf „kohleneutrale“ Produktion umzustellen. Emissionen messen Doch um auf nachhaltige Entwicklung setzen zu können, brauchen Unternehmer mehr Information. Barend van Bergen, Berater bei KPMG Sustainability, ist überzeugt, dass „ein besseres Verständnis über die eigenen Risiken wichtig ist, damit man etwas dagegen unternehmen kann.“ Der Kohlenstoff-Fussabdruck (Carbon Footprint) ist dafür das Schlüsselwort. Mit dieser Methode, die derzeit in Grossbritannien getestet wird, sollen sämtliche bei der Herstellung und dem Vertrieb eines Produktes entstehenden Treibhausgase berechnet werden. Denn „was man nicht messen kann, kann nicht gehandhabt werden“, sagt Peter Klein von Carbon View. In Grossbritannien wird ab 2010 die Berichterstattung über die Kohleverbrauch für Unternehmen, die mehr als 6000 Kilowatt pro Stunde verwenden, verpflichtend. Allgemein seien Standards notwendig, die die Kohlendioxidabgase in die Kostenstruktur mit einbeziehen. „Die wichtigste Frage dabei ist, wie können Kohlenstoffabgase reduziert werden, ohne dass dabei gleichzeitig die Gewinne sinken?“ fragt der Vizepräsident von Carbon View. In der Produktion Ressourcen schonen Toyota ist seit Jahren dabei, diese Frage für sich zu beantworten. Der japanische Autobauer will nicht nur umweltschonende Autos bauen, sondern auch beim Gebäudemanagement natürliche Ressourcen schonen. „Wir bauen auf Visionen“, sagt Steve Hope von Toyota Motor Europe. Ziel Toyotas sei es, die eigenen Emissionen auf Null zu reduzieren. Doch das sei noch Zukunftsmusik. Bereits jetzt sei allerdings ein Grossteil der Betriebsgebäude von Toyota „grün, sauber und schlank“. Zur innovativen Strategie von Toyota gehöre, aus Abfall Energie zu produzieren und durch Regenwasserspeicher oder Wiederverwendung von Wasser jährlich 100.000 Tonnen zu sparen. Gleichzeitig konnte Toyota laut seinem Nachhaltigkeitsbericht zwischen 2006 und 2007 seine Gewinne in Europa um 4,4 Prozent steigern. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist die „grüne Mission“ von Cisco, wie anhand zahlreicher Energieeffizienzprojekte in seinem Unternehmen ausführt. „Das Beste für die Umwelt wäre natürlich gar keine Energie zu brauchen“, sagt Cisco-Energieanalyst Nayeem Sheikh. „Doch wir tun unser Möglichstes, um den Kohlenstoff-Fussabdruck bis 2012 um 25 Prozent zu verringern.“ In jedem Bereich, sei es Abfall, Wasser oder Energieverbrauch, werde besonders darauf geachtet, so wenig wie möglich Energie zu verbrauchen. Computer werden automatisch ausgeschaltet, genauso wie Lichter, und sogar die Toiletten werden ohne Wasser betrieben. Das erlaubte eine Wasserersparnis von etwa 360 Millionen Litern im Jahr. „Seit Cisco den Energiestrategieplan eingeführt hat, haben wir 74 Millionen Kilowattstunde gespart“, so Sheikh. Doch nachhaltiges Produzieren hilft nicht nur, Kosten zu sparen. Es kann auch Einnahmen mit sich bringen. „Für manche Unternehmen ist es entscheidend zu wissen, dass sie in den so genannten Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung oder Clean Development Mechanism (CDM) investieren können“, sagt Giulia Gervasoni von South Pole. Das bedeute, dass weniger umweltfreundliche Unternehmen, die die vorgegebenen Richtwerte nicht erreichen, von anderen Unternehmen, die sie erreicht haben, so genannte Kohlenstoff-Kredite (Carbon Credits) kaufen können. „Damit lässt sich viel Geld verdienen.“
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